
Gebundene Ausgabe: 571 Seiten Herausgeber: INK Egmont Erscheinungsdatum: 09. August 2012 Originaltitel: "Shadows" Leseprobe
Nachdem Alex der Thyrannei in Rule entflohen ist, stellt sie bald fest, dass viele der veränderten Jugendlichen gerade um die Stadtmauern herum zu hausen scheinen. Als sie von solch einer Gruppe angegriffen und verschleppt wird, erfährt Alex so einiges über diese Kannibalen, die die ganze Zeit als zurückentwickelt angesehen wurden. Doch die Veränderten lernen schnell und so wird es für Alex immer unmöglicher, ihren Fängen zu entkommen. In ihrer Gefangenschaft versucht Alex, Antworten auf ihre dringendsten Fragen zu finden: Wieso lauern direkt hinter den Stadtmauern die größten Horden der Veränderten? Wieso verschonen sie Alex und verspeisen sie nicht zum Mittagessen? Und wieso überhaupt hat Alex sich nicht verändert? Was haben all die "Verschonten" gemeinsam? Doch schon bald wird sich Alex mit der Frage umtreiben müssen, ob die Veränderung bei den "Verschonten" nicht einfach langsamer von statten geht und später einsetzt... Währenddessen versuchen sowohl Tom als auch Chris verzweifelt, Alex aufzuspüren. Dabei gerät vor allem Tom an die seltsamsten Gestalten ohne jemals zu wissen, wem er vertrauen kann...
Nach dem abrupten Ende des genialen ersten Teils kam ich natürlich nicht umhin, auch die Fortsetzung der "Ashes"-Trilogie zu lesen. Aufgrund des Vorgängers, der wirklich alles hatte, was ein geniales Buch für mich ausmacht, hatte ich natürlich entsprechend hohe Erwartungen an die Fortsetzung. Ich kann nun nicht wirklich behaupten, dass ich enttäuscht worden wäre, aber meine Erwartungen wurden definitiv nicht erfüllt. Allerdings liegt das nicht daran, dass das Buch schlecht gewesen wäre, sondern einfach daran, dass es in vielerlei Hinsicht so vollkommen anders ist als sein Vorgänger.
Direkt das erste Kapitel lies mich erstaunt und verwirrt zurück, denn es ist aus der Sicht eines Charakters geschrieben, den wir im ersten Teil noch gar nicht kennen gelernt haben. Da "Ashes 01" ausschließlich aus Alex Sicht erzählt wurde - und mir gerade das gut gefallen hat -, war ich doch ein wenig enttäuscht über diesen Einstieg. Schnell wird allerdings klar, wie sich dieser neue Charakter in die Geschichte fügt und der Leser stellt fest, dass "Ashes 02" sehr viele verschiedene Erzählerperspektiven haben wird. Wieso ich darüber so erstaunt war, weiß ich im Nachhin auch nicht, denn eigentlich ist es ja klar, dass es mehr Handlungsstänge geben muss, da sich die Wege der Protagonisten aus Teil eins auf ungewollte Weise getrennt haben.
Ich habe mich dann auch schnell mit diesem neuen Aufbau angefreundet und festgestellt, dass er so einige Vorzüge hat. Man sollte es kaum glauben aber dadurch empfand ich die Geschichte tatsächlich als noch spannender! Jeder Charakter befindet sich in einer anderen Situation, was alle aber gemeinsam haben ist, dass sie ziemlich in der Klemme stecken!
Hier muss ich allerdings leise Kritik anbringen, denn mir ist aufgefallen, dass in diesem Roman wirklich alles schief geht, was nur irgendwie schief gehen kann. Klar, es handelt sich um ein Endzeitszenario, da ist nicht alles eitel Sonnenschein. Aber meiner Meinung nach hat die Autorin hier einfach ein bisschen zu dick aufgetragen. Die Protagonisten geraten immerwieder sprichwörtlichvom Regen und die Traufe und wenn sie denken, "schlimmer kann's nicht mehr werden", wurde es unter Garantie nochmal viel, viel schlimmer! Auch die burtalen und ekligen Szenen, die uns ja auch dem ersten Teil schon so gut bekannt sind, häufen sich in diesem Roman. Auch hier muss ich zur Verteidigung von Frau Bick anführen, dass menschenfressende Jugendliche wohl nicht gerade friedliche Zeitgenossen sind, aber nachdem man einige dieser Szenen gelesen hat, weiß man dann auch, dass die Kanibalenkinder Alex und allen anderen Unveränderten das Leben zu Hölle machen. Mir kam es während des Lesens so vor, als wolle die Autorin den erste Teil unbedingt noch an Brutalität übertreffen, gleichgültig ob das für die Handlung nun wirklich nötig ist oder nicht.
Außerdem musste ich leider feststellen, dass die Autorin das Verwirrspiel, mit dem sie mich schon im ersten Teil so frustriert hat, in Teil 2 noch perfektioniert hat. Ich durfte immer wieder Gedankenfragmente der Protagonisten lesen, die dann mitten im Wort mit einem "..." unterbrochen wurden. Gerne folgte darauf ein Satz wie: "Nein, das konnte doch nicht sein. Er / Sie musste sich geirrt haben." Nur leider, leider erfährt der Leser er viele viele Seiten später, wovon den nun eigentlich die Rede war. Teilweise hatte ich da schon wieder vergessen, dass es da ja noch diese eine Anspielung gab. Mich hat das wirklich genervt! In Maßen steigert das die Spannung natürlich, aber wenn es mehr Anspielungen als Aufklärungen gibt und diese sowieso erst seitenweise später zu finden sind, dann fühlt man sich irgendwie schon ein bisschen veräppelt. Vorallem, wenn einer der Charaktere sich offenbar in Luft auflöst, ohne, dass das im Buch mit einem Wort erwähnt werden wird.
Letztendlich muss ich aber auch sagen, dass die Autorin die Messlatte mir dem Auftakt ihrer Trilogie unwahrscheinlich hoch angelegt hat. Der zweite Teil konnte da einfach nicht mithalten, auch wenn er dem ersten was die Spannung betrifft, doch ein wenig überlegen ist. Der schwarze Humor und der trockene Sarkasmus, der dem Buch einen ganz besonders bösen Charme verleiht, fehlt auch im zweiten Teil nicht. Dazu kommen noch die authentischen, liebenswerten und mutigen Charaktere, die ich schon im ersten Teil so lieb gewonnen habe und die alles überschattende Frage, ob nicht auch die verbliebenen Jugendlichen sich irgendwann in naher Zukunft verändern werden. Aufgrund dieser positiven Aspekte gebe ich "Ashes 02 - Tödliche Schatten" gut und gerne vier Sterne.

Vielen lieben Dank an den INK Egmont Verlag für das Bereitstellen einiger Leseexemplare im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks!











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