Horror von Stephen King #3 | „Carrie“ (1976)

Wenn man sich zum ersten Mal oder noch einmal dem Original 1976er Carrie widmet, fällt einem sofort auf, weshalb die Neuverfilmung von 2013 nicht funktioniert hat. Bei aller Liebe für Chloë Grace Moretz ist sie niemals eine so eingeschüchterte, von ihrer Mutter unterdrückte und in der Schule gehänselte Carrie White, wie es Sissy Spacek in Brian De Palmas (Scarface, Die Unbestechlichen, Mission: Impossible) Film spielt.

Carrie basiert auf dem 1974er Roman von Stephen King, der von Lawrence D. Cohen zu einem Drehbuch umgearbeitet wurde – Cohen übernahm später auch die Adaptionen zu Stephen Kings Es und Tommyknockers, als auch zum besagten 2013er Remake von Carrie. Sowohl Hauptdarstellerin Sissy Spacek als auch Piper Laurie in der Rolle ihrer manisch-gläubigen Mutter Margaret White erhielten für ihre Rollen Nominierungen bei den Academy Awards. Neben diesen beiden Damen sind zahlreiche junge Gesichter zu entdecken: Nancy Allen (RoboCop), William Katt (House – Das Horrorhaus), Amy Irving (Alias – Die Agentin) und John Travolta (American Crime Story).

Wir lernen Carrie White in der Highschool kennen, wo sie unter der Dusche ihre erste Periode hat. Gut behütet – oder abgeschirmt von allem Bösen – von ihrer Mutter aufgezogen, hat Carrie keine Ahnung was mit ihrem Körper vor sich geht. Sie stürmt aus der Dusche und schreit mit blutverschmierten Händen nach Hilfe. Die anderen Mädchen machen sich lustig, bewerfen sie mit Tampons. Erst die Sportlehrerin Miss Collins kann den Tumult beenden, bevor eine Glühbirne genau dann explodiert, als sich Carries Paniklevel ganz weit oben befindet.

Horror von Stephen King #3 | „Carrie“ (1976)

Carrie

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Sissy Spacek als Carrie White.

Solche Ereignisse mehren sich, während Carries Mutter die Menstruation ihrer Tochter als Ausgeburt böser Gedanken versteht, weswegen sie in eine kleine Kammer gesperrt wird, wo sie für Vergebung beten soll. Carrie lernt mehr und mehr über ihre telekinetischen Kräfte und stellt sich schon bald gegen ihre Mutter, wird aber ein weiteres Mal Opfer von Schikanierungen, wenn sich auf der Prom-Night ein Eimer voll mit Schweineblut über sie ergießt – ein fataler Moment.

Aber auch ein Moment, der sich wundervoll wiederholt und die filmische Symmetrie von Carrie zeigt, der Brian De Palma hier gefolgt ist. Wo Carrie White zu Beginn noch mit Menstruationsblut an den Händen in Panik verfällt, darf sich am Ende von Kopf bis Fuß mit Schweineblut besudelt auf ihren Rachefeldzug gehen, der keinerlei Panik oder Angst mehr beinhaltet. Das zuvor gehänselte Mädchen erblüht in voller Kraft und fällt über ihre Peiniger her.

Das spielt vor allem Sissy Spacek geradezu brillant. Von Beginn an sind wir auf ihrer Seite, wenn sie sichtlich unter dem Einfluss ihrer Mutter zu leiden hat, die für allerhand Unwissen verantwortlich ist, was wiederum zu den Schikanierungen in der Schule führt. Die Mädchen dort sind unausstehlich – mit wenigen Ausnahmen, für die wir aber ebenso wenig Verständnis aufbringen können, weil wir so sehr von Spacek an die Carrie-Figur herangeführt und vereinnahmt werden.

Carrie ist kein Horrorfilm-Stereotyp, kein Final Girl, das irgendetwas überleben müsste außer ihre eigene Highschool Zeit. Sie ist schüchtern, was ihr innere Probleme beschert. Sie ist hübsch (wie man auf dem Prom-Ball zu sehen bekommt), versteckt sich aber lieber hinter ihren langen, blonden Haaren. Vor allem zeigt Spacek uns ihre Carrie als normales Mädchen, dass uns im wahren Leben ebenso Leid getan hätte, wenn wir sie überhaupt zur Kenntnis genommen hätten.

Horror von Stephen King #3 | „Carrie“ (1976)

Carrie

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Piper Laurie als Mutter Margaret White.

Im letzten Akt des Films geht es für uns auf den Prom-Abend und hier entfaltet Brian De Palma seine Macht über die Spannung. Wenn Carrie auf der Bühne steht und gerade als Prom Queen gefeiert wird, baumelt über ihr das Damoklesschwert, der Eimer voller Blut, was zur Unerträglichkeit ausgereizt wird, so dass unsere Nerven blank liegen.

So wir wir zuvor mit Carrie mitgelitten haben und jetzt das auf sie nieder regnende Unheil miterleben müssen, ist ihr Ausbruch für uns gänzlich gerechtfertigt. De Palma zeigt nicht irgendein aufwühlendes Horrorfilm-Finale, sondern eine Charakterstudie, bei der sich eine Figur zu einem Punkt hinentwickeln musste, der nun die völlige Entladung aller Emotionen mit sich bringt – nur eben ausgerechnet bei einem Mädchen mit telekinetischen Kräften.

Es hängt alles ganz klar aneinander. Wenn Carrie ihren Zorn walten lässt, wissen wir ganz genau wieso all das geschehen muss, denn der Film hat es uns gerade überaus grausam gezeigt.


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