Horizon Zero Dawn

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Horizon Zero Dawn

9Action-Adventure

Eines kann man den Killzone-Entwicklern nicht absprechen: Mangelnde Ambition. Anders könnte man sonst nicht wirklich nachvollziehen, warum sie einen Titel wie Horizon Zero Dawn produziert haben. Damit ist einerseits der hart umkämpfe Markt in Hinsicht auf Open-World-Action-Adventure gemeint, der meisterhaft-makellose Schmuckstücke wie The Witcher 3: Wild Hunt oder unlängst auch The Legend of Zelda: Breath of the Wild hervorgebracht hat. Anderseits zudem die Tatsache, dass Guerrilla Games mit seiner Killzone-Reihe schon in das eine oder andere Fettnäpfchen getreten ist (Stichwort: E3-Trailer) und – trotz Erfolg hinsichtlich der Verkaufszahlen, wohlgemerkt – im Shooter-Genre nicht unbedingt für bahnbrechende Neuerungen gesorgt haben.

Wie kann sich ein vor allem im FPS-Bereich geeichtes Entwicklerstudio nun mit einer gänzlich neuen IP behaupten, wo doch erst vor wenigen Monaten nicht minder groß angelegte Projekte wie Watch Dogs 2 oder Mafia 3 so schnell wieder im Nebel der Belanglosigkeit verschwunden sind? Das erste Urteil in den einleitenden Minuten: Zuerst durch die Handlung, dann durch das Gameplay.

Dies mag einigermaßen komisch anmuten, sind doch gerade jene offene Spielwelten notorisch dazu veranlagt, den Spieler entweder mit hübschen, aber leeren Landschaften zum Umherstreifen zu verführen oder mit Sidequests zu Besinnungslosigkeit zu bringen. Man denke an all die sammelbaren Objekte, die man als obsessiv veranlagter Genre-Fan in der Far Cry-, Assassin’s Creed– oder Fallout-Reihe aufgelesen hat, statt die jeweils so wichtige Storymission weiterzuspielen: Durchgehendes Interesse oder Spannung kann da praktisch nur – je nach eigenem Erinnerungsvermögen – verloren gehen.

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So nimmt Horizon Zero Dawn die erste schwierige Hürde mit langem Anlauf: Protagonistin Aloy darf in den einleitenden Minuten zunächst als Kind gesteuert und von Vaterfigur Rost geleitet werden, erst später wird das grundlegende Setting dem Spieler nach und nach näher gebracht (und Aloy zur wohl schlagkräftigsten Protagonistin seit Lara Croft oder Clementine aus The Walking Dead). Wunderschöne Flora, schräge mechanische Fauna und eine von der Gesellschaft als Außenseiter angesehene Hauptfigur ist zwar grundsätzlich nichts allzu Neues (man denke dabei an das zu Unrecht vergessene Enslaved: Odyssey to the West oder natürlich auch The Last of Us in Ansätzen), intelligente Dialoge und ebensolche Handlungen zeigen aber Wirkung beim Spieler, nämlich Interesse an der Spielfigur und der sie umgebenden Spielwelt selbst. Eine fast klassisches Heldenepos wird hier erzählt – und in einer 45 Millionen Euro teuren Produktion sollte man schon erwarten dürfen, das die auch funktionieren.

Der Spannungsbogen der Handlung nimmt zwar auch hier mit den etwas beliebig, aber glücklicherweise überschaubar eingestreuten Nebenmissionen einen kleinen Dämpfer – weswegen dann wohl das Gameplay selbst so grandios gestaltet wurde, damit es auch im allerletzten Moment noch spannend und abwechslungsreich bleibt.

Aber von Anfang an, wortwörtlich: Nach dem Zusammenbruch der Zivilisation haben sich die Überlebenden in naturverbundenen Stämmen zusammengeschlossen. Durch die verschneiten Bergen, tropischen Wäldern oder kargen Steppen marodieren autonom agierende, metallische Gestalten in Tierform und treiben ihr Unwesen. Die Natur hat in dieser Postapokalypse die Oberhand zurückgewonnen und nur Aloy ist/sieht sich in der Lage, eine aufkommende Bedrohung zu stoppen und die Hintergründe ihres Seins wie auch der seltsamen Maschinenwesen aufdecken zu können.

Gerade im direkten Vergleich mit den Geschichten in vielen Action-Adventures der letzten Monate merkt man mit fortlaufender Spieldauer, wie der Spieler mit immer neuen Anreizen bzw. Hinweisen hinsichtlich der Handlung gelockt wird, auch weiterhin involviert zu bleiben. In Sachen Gameplay geht Horizon Zero Dawn behutsam mit Skeptikern um: Eine überschaubare, wenn anfangs lächerlich anmutende Anzahl an Waffen wird hier aufgeboten (ein Speer für den Nahkampf, ein paar Bögen und Schleudern, etc.), die jedoch allesamt taktisches Geschick beim Einsatz wie auch in der Kombination miteinander benötigen. So vermag eine bestimmte Pfeilart gegnerische Panzerung zum Bersten zu bringen, während eine spezifische Bomben-Variante (Eis, Schock, usw.) per Schleuder massiven Schaden bei entsprechenden Körperteilen auszurichten vermag.

Genau diese Art von Taktik lässt das Gameplay auch unter all seinen Konkurrenten im Genre hervorstechen: (Fast) Jeder Feindbegegnung liegt Gefahr zugrunde, die durch intelligentes Spieldesign gebannt werden kann. Gigantische „Thunderjaws“ können mit einem Seilwerfer zu Fall gebracht werden, um die am Rücken montierten Waffen auszuschalten und die durch Panzerung geschützte Unterseite der Kreatur zu durchbrechen. Ein Rudel Pferd-ähnlicher „Strider“ kann gefährlich werden, wenn man nicht die Stealth-Mechanik benutzt und im dichten Gras kauernd die schnell alarmierten „Watcher“-Velociraptoren im Vorfeld ausschaltet. Klingt absurd, ist aber ungemein unterhaltsam über viele Stunden hinweg.

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Ebenfalls zu erwähnen ist die visuelle Präsentation von Horizon Zero Dawn, der man gleichermaßen das Budget wie auch die Liebe zu Detail in jeder einzelnen Sekunde anmerkt. Vor den grandiosen Animationen der Hauptfigur und all ihren Widersachern bis hin zur detailreichen Gestaltung jedes einzelnen Kleidungsstückes eines NPCs kann man auch als Witcher-Fan nur den Hut ziehen. Schade, dass diese Art von Aufmerksamkeit teilweise bei den Dialogpassagen abhanden gekommen ist und nicht nur das Dialog-Rad selbst die Anleihen an Mass Effect offenbart.

Nach Nioh der nächster Killer-Titel im PS4-Lineup von 2017: Horizon Zero Dawn ist ein technisches Wunderwerk, das auch als Open-World-Titel mit seiner einnehmenden Handlung durchgehend überzeugen kann. Das grandios gestaltete Gameplay im atmosphärischen Setting wischt den offensichtlich Genre-Verpflichtungen geschuldeten Makel der als Spielzeit-Füller eingesetzten, überdimensionierten Spielwelt sowie den weniger kreativ gestalteten Sidequests jedoch weg. Unterhaltungssoftware, die ihren Namen wirklich verdient.

Plattform: PS4 (Version getestet), Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 16, Release: 01.03.2017, Link zur Homepage


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Autor

Christoph Stachowetz

Aufgabenbereich selbst definiert als: Chief of Operations. Findet “Niemand ist so uninteressant wie ein Mensch ohne Interesse” (Browne) interessant.


 
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