Ressort Religion

„Hildegard Burjan ist Vorbild für Christen im 21. Jahrhundert“ (Caritas Socialis)

Erstellt am 27. Januar 2012 von Zeitzubeten

„Hildegard Burjan ist Vorbild für Christen im 21. Jahrhundert“ (Caritas Socialis)Die Sozialpionierin, Politikerin und CS-Ordensgründerin Hildegard Burjan (1883-1933) wird am Sonntag, 29. Jänner, im Stephansdom selig gesprochen. Die neue Selige zeigte soziale Probleme auf, die bis heute nicht gelöst sind.

Eine Frau und eine Christin, die sich aus tiefem Glauben heraus in Politik und Gesellschaft eingebracht habe. So charakterisierten Ingeborg Schödl, Vizepostulatorin im Seligsprechungsprozess, sowie die Generalleiterin der Caritas Socialis (CS) Judith Tappeiner und Kardinal Christoph Schönborn die neue Selige bei einem Pressegespräch am Montag, 23. Jänner 2012.

Die Gemeinschaft Caritas Socialis wurde am 4. Oktober 1919 von Hildegard Burjan mit Unterstützung von Prälat Ignaz Seipel in Wien gegründet und ging aus dem 1918 errichteten Verein „Soziale Hilfe“ hervor. Die Gemeinschaft wurde am 10. Juni 1936 kanonisch errichtet und erhielt am 2. Februar 1960 die päpstliche Anerkennung.

Nach der Gründung standen die Altenbetreuung, der Mädchenschutz, der Wiederaufbau der Bahnhofsmission und die Fürsorge für Gefährdete im Vordergrund. Beim „St.-Elisabeth-Tisch“ erhielten Menschen warmes Essen, der „Krankentisch“ brachte das Essen für Kranke und Alleinstehende ins Haus. Die Schwerpunkte lagen bei der Familien- und Altenhilfe, Hospizarbeit, Jugendarbeit, Lebens- und Sozialberatung, dem Schutz für das ungeborene Leben und in der Unterstützung von Alleinerzieherinnen. Die Caritas Socialis leitete bis 1998 eine Lehranstalt für Sozialberufe in Wien.

Etwa 105 Schwestern gehören der Gemeinschaft an, Niederlassungen gibt es in Wien, Niederösterreich, Tirol, Kärnten, Deutschland, Italien und Brasilien. Am 21. Juni 1998 besuchte Papst Johannes Paul II. das Hospiz Rennweg der CS (3. Wiener Gemeindebezirk) und hielt eine Ansprache an alle, die in der Welt der Krankheit und des Leidens leben und arbeiten ( Text der Ansprache).) und hielt eine Ansprache an alle, die in der Welt der Krankheit und des Leidens leben und arbeiten (Text der Ansprache).

Einsatz für ein menschenwürdiges Leben

Als eine „Selige für heute“, die mit Spannungen lebte, beschreibt Schwester Judith Tappeiner CS die Gründerin ihrer Ordensgemeinschaft. Zwischen Politik und Kirche, zwischen Familie und Ordensgründung, zwischen einem gutbürgerlichen Haushalt und ihrem Engagement für die Ärmsten der Gesellschaft lebte sie ihren Glauben. Burjans Engagement wirkt fort in den Einrichtungen der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die sich für „die Würde des Menschen am Beginn und am Ende des Lebens“ einsetzt.

Die CS-Pflege- und Sozialzentren, das CS-Hospiz Rennweg, die Demenzwohngemeinschaften sowie stationäre und mobile Betreuung bieten Hilfe für alte und chronisch kranke Menschen. Außerdem führt die CS Kindergärten und Horte, ein Mutter-Kind-Wohnheim und eine Beratungsstelle. Nach den blinden Flecken der heutigen Gesellschaft befragt, wies die CS-Generalleiterin auf den Menschenhandel hin, gegen den sich die CS gemeinsam mit anderen Frauenorden in Österreich einsetze.

„Sie zeigt, wie Christsein heute aussieht“

Das tatkräftige Wirken Burjans hob auch Kardinal Christoph Schönborn hervor und verwies auf ein Wort des heiligen Franziskus, der in der Spiritualität der neuen Seligen eine wichtige Rolle gespielt hat: „Verkündet allen das Evangelium, wenn notwendig auch mit Worten.“

Durch die Seligsprechung werde Brujan zu einer „qualifizierten Fürsprecherin“. Von ihr könne man sagen, „das meinen wir, wenn wir Christsein sagen, sie zeigt, wie Christsein heute aussieht“.

Bedeutung für die Erzdiözese Wien

Im Blick auf den Strukturreformprozess in der Erzdiözese Wien und dessen Kernanliegen der Jüngerschaftsschulung sei an der neuen Seligen ablesbar, was Christsein heute bedeute. Die Kirche sei in verschiedenen Bereichen einerseits mit Schrumpfungen andererseits mit Wachstum konfrontiert. Zu letzterem gehöre der karitative Bereich, zu dem auch die Caritas Socialis zähle. „Hildegard Burjan ist eine Christin für unsere Zeit. Es fügt sich gut, dass uns gerade jetzt so eine Person vor Augen gestellt wird, die uns zeigt: So sieht Christsein aus.“

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Hildegard Burjan Website

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Buchtipp:

Hildegard Burjan-Biographie im Wiener Dom-Verlag

Die „Frau zwischen Politik und Kirche“ beschreibt die katholische Publizistin Ingeborg Schödl in ihrer Burjan-Biographie, die im Wiener Dom-Verlag erschienen ist. Darin gibt die Autorin Einblicke in das Wien des beginnenden 19. Jahrhunderts, das von Armut, Hunger und – besonders für Frauen – unvorstellbaren Arbeitsbedingungen bestimmt war.

„Eine moderne Selige“

„In ihrem Mut sich für eine Sache einzusetzten, kann sie uns Frauen auch im 21. Jahrhundert etwas vorzeigen“, sagt die Biographin Ingeborg Schödl. „Hildegard Burjan wird eine ‘moderne Selige zum Anfassen’ sein.“
Ingeborg Schödl

Hildegard Burjan. Frau zwischen Politik und Kirche.
Überarbeitete und aktualisierte Neuauflage
Wiener Dom-Verlag
ISBN: 978-3-85351-204-3

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