Her mit den Insignien weiblicher Macht

Er ist Ingenieur, noch keine Dreißig. Er hat eine Freundin, fährt ein schickes Auto, geht regelmäßig ins Fitnessstudio und er versteht sich gut mit den Nachbarn in der Neubausiedlung. Er könnte optimistisch in die Zukunft schauen, wenn da nicht dieser kleine ´Makel´ wäre. Ehrlicherweise ist es für ihn kein Makel, sondern ein Zugewinn.

Im Kleiderschrank hat er ein paar Dinge versteckt und in seinem Computer liegen Dateien, von denen nur er etwas weiß. So dachte er jedenfalls.

Vor wenigen Wochen hat seine Freundin in der gemeinsamen Wohnung Frauenkleidung gefunden. Ein lederner Minirock in Größe 44, Nylonstrümpfe, Unterwäsche aus Spitze, Mieder und High Heels in atemberaubender Schuhgröße 44. Sie konnte diese Klamotten nicht zuordnen. Für sie, mit zierlicher Schuhgröße 38 und ebensolcher Kleidergröße, konnte es sicher nicht sein. Ein Faschingoutfit ihres Freundes? Sie grübelte.

Sie begann zu kramen und zu suchen.  So fand sie schnell ein paar Fotos in einer kleinen Box, die in seinem Sockenfach lag. Sie war schockiert. Auf den Bildern war unschwer zu erkennen, dass es ihr Mark war und er trug Frauenkleidung!

Das Gesicht auf dem Foto lächelte sie seelig, aber auch ein bisschen unsicher an. Sie musste sich erst einmal setzen und spürte Enttäuschung und Ärger in sich aufkeimen.

Mark sitzt mir am Stammtisch gegenüber und erzählt, dass seine Freundin entsetzt war, als sie entdeckte, dass er gern Frauenkleider trägt. Sie hätte ihm eine schlimme Szene gemacht, ihn angeschrieen, geweint und gedroht ihn zu verlassen. Die Kinder nähme sie selbstverständlich mit. Er müsse diese Sachen vernichten und dürfe dieser ´problematischen Neigung´ niemals mehr nachgehen.

Komisch, denke ich. Uns Frauen wurde das Tragen von Männernkleidung als ein Akt der Emanzipation verkauft. So sollte es doch andersherum auch sein. Männer in Frauenkleidung und solche, die die Attribute weiblicher Macht zelebrieren, könnten doch als einen Sieg und als Fortschritt männlicher Emanzipation gefeiert werden.

Mark hat eine Damenperücke auf seinem Kopf. Blonder Bubikopf, halblang. Er ist sorgfältig geschminkt und hat sich für diesen Abend ein sehr weibliches, figurbetontes Outfit ausgesucht, dass ihm echt gut steht. Ich bewundere ihn dafür und ermutige ihn, sich diese Freiheit nicht nehmen zu lassen. Er nennt sich Kristin, mit ´K´, wie er lächelnd ausführt.

Neben ihm komme ich mir, ungeschminkt und in Jeans, fast banal vor. Er redet in dieser Runde so freimütig wie wohl sonst nirgendwo. Er liebt diese raschelnden Stoffe, die so sanft den Körper umschwingen, sagt er. Die Freiheit an den Beinen und die Eleganz, die ein Nylonstrumpf ihnen verleihen kann findet er faszinierend und kann gar nicht verstehen, dass so viele Frauen ihre schönen Beine in grobem Jeans verstecken. Es tut ihm gut, eine weibliche Seite ausleben zu können und sie nicht mehr unterdrücken zu müssen. Wenn er sich umkleidet und auf seiner Terrasse herumspaziert, dann ist das mehr als eine ´Verkleidung´. Er fühlt sich in diesen Momenten so sagenhaft frei und unbelastet. Er spürt dann auch etwas von dieser weiblichen Macht, die ihn als Mann schon so oft auf Zwergengröße schrumpfen ließ.

Einige Male hat er sein neues Ich in geschützter Öffentlichkeit präsentiert. Er hat gespürt, dass er sich verändert, wenn er in die Rolle einer Frau schlüpft. Da ist dann keine Schwäche und Unsicherheit, sondern weibliche Kraft, die ein männliches Gegenüber völlig vereinnahmen kann. Das alles stärkt sein Selbstbewusstsein und eröffnet ihn Erfahrungen, die ihn begeistern. Wäre da nicht das oft vernichtende Urteil Dritter, würde er mit den Insignien weiblicher Macht wohl noch viel öfter spielen.

Frauen haben sich der Utensilien der Männer freimütig bedient und sie tun es immer noch. Also sollten Männer sich an den Schmelztiegeln weiblicher Rollenklischees  ebenso satt essen dürfen und ihre persönlichenVorteile daraus ziehen, wenn sie dazu Lust haben!



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