Leute, ich bin nicht faul. Ich tue einfach liebend gerne spontane Sachen anstelle von dringenden Sachen, die ich wirklich erledigen müsste. Auf diese Weise kann ich Aufgaben ziemlich lange vor mich hinschieben und mich dabei auch noch gut fühlen. Denn schließlich sitze ich nicht untätig herum und starre Löcher in die Luft! Ich mache ja was! Ich bin produktiv!
Okay, ich habe vielleicht nicht an meiner Magisterarbeit geschrieben. ABER dafür sind jetzt alle Schubladen entrümpelt und mit perfekter logischer Ordnung bestückt. Ich habe nicht den Text geschrieben, den ich schon morgen abgeben muss. ABER dafür ist die Wäsche gebügelt. Meine Mama wäre stolz auf die messerscharfen Bügelfalten. Diese Reihe ließe sich ins Unendliche fortsetzen, weswegen ich an dieser Stelle einfach mal den Schlusspunkt setze und euch in eurer eigenen Aufschiebebiografie stöbern lasse.
Na? Was gefunden?
Für mein irrationales und zuweilen das Leben verkomplizierendes Verhalten existiert seit gar nicht mal so langer Zeit sogar ein Fachterminus: Prokrastination.
Max Goldt definiert in "Prekariat und Prokrastination" mein Problem als
"ein nicht zeitmangelbedingtes, aber um so qualvolleres Aufschieben dringlicher Arbeiten in Verbindung mit manischer Selbstablenkung, und zwar unter Inkaufnahme absehbarer und gewichtiger Nachteile."
Wie so oft findet auch in diesem Fall Goldt die perfekte Form für ein äußerst verzwicktes Phänomen mit komplexen psychologischen Ursachen. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle Werbung machen für "QQ", eine Sammlung exquisiter Texte aus der Feder von Max Goldt. Das obige Zitat ist eben diesem Buch entnommen und beileibe nicht das einzige zitierwürdige. Habe ich schon erwähnt, dass ich Max Goldt sehr schätze und allen Liebhabern der deutschen Sprache empfehle? Echt? Dann ist ja gut. Der Anlass für diesen Beitrag sind die noch ausstehenden Rezensionen zu Frau Nothomb. Ich habe mich sehr darauf gefreut, sie zu schreiben. Ich habe mir aber auch vorgenommen, dies besonders gut zu machen. Zum einen, weil mir die gelesenen Bücher so sehr gefallen haben. Zum anderen weil eine Handvoll Leser gespannt auf die noch ausstehenden Rezensionen wartet. Anspruch und Erwartung, selbst wenn sie einzig in meiner Phantasie existieren, geben einen prima Nährboden für Prokrastination ab. Und so habe ich zwei Bücher gelesen, anstelle die noch ausstehenden Rezensionen zu schreiben. Eines davon habe ich sogar schon rezensiert ... OMG.
Um den Beitrag rund zu machen noch eine Buchempfehlung: "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Dieses Buch ordne ich der Kategorie "Books that saved my life". Der provokante Titel könnte zu der irrigen Annahmen verleiten, es handele sich dabei um ein Pamphlet gegen Disziplin. In Wirklichkeit ist es ein erstklassiger Ratgeber für Menschen, die nichts lieber besäßen als Disziplin. Die Betonung liegt auf besäßen - Optativ, Wunschform. Von erfolgreichen Prokrastinierern für Prokrastinierer in Nöten geschrieben. Einfach toll! P.S. Unnötig zu schreiben: Während ich diesen Post tippe, müsste ich eigentlich dringend etwas anderes tippen. Gegen Geld. OMG.




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