Die Frage „Hast Du Deine schusssichere Weste auch nicht vergessen“, überhöre ich mittlerweile einfach. Scherzhaft wird sie immer wieder gestellt, wenn ich im Bekannten-Kreis zum Besten gebe, dass ich mal wieder nach Sarajevo aufbrechen werde. Der Krieg liegt Jahre zurück und die Stadt ist nicht gefährlicher als Köln oder andere Großstädte in Deutschland. Die Spuren der jahrelangen Belagerung sind zwar bis heute sichtbar, verschwinden aber zunehmend aus dem Stadtbild, das immer mehr aufpoliert wird. Sarajevo ist immer eine Reise wert, selbst im November: Eine Fußgängerzone im KuK-Stil, die urplötzlich in einen türkischen Bazar mündet, moderne Shopping-Center neben altehrwürdigen Regierungsgebäuden, stylische Cafés und Bars ergänzt durch alteingesessene Restaurants aus „Tito-Zeiten“. Letztere tragen zum Charme der Stadt ganz wesentlich bei, auch, weil Essen und Trinken hier für deutsche Verhältnisse immer noch recht preisgünstig ist.
Die Stadt ist nicht wirklich groß und das Zentrum kann sehr gut zu Fuß erkundet werden. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass auch die besten Restaurants, Cafés und Bars – von denen es eine ganze Menge gibt – nicht allzuweit auseinander liegen. Hier ein paar Tipps: Die leckersten Ćevapi gibt es definitiv bei Zeljo2, einer Institution in Sarajevo mitten im muslimisch geprägten Altstadt-Teil Baščaršija (Adresse: Kundurdžiluk Nr. 35). Wer es „räumlich“ lieber etwas feiner hat, der sollte in der Petrakijina 24 das Lovac aufsuchen. Hier zu empfehlen: Das Schnitzel in Sesampanade!
Ein absolutes Muss für Fischfreunde liegt nicht weit entfernt in der Pruščakova (Nr. 21) etwas weiter runter in Richtung der Maršala Tita-Hauptstraße. Hier im Restaurant des Šahovski klub (Schach-Club) „Bosna“ gibt es eine erstklassige Dorade für umgerechnet sieben Euro!!!. (Weitere Restaurants finden sich unter: http://www.sarajevo-tourism.com/eng/restoranii.wbsp).Wer gerne Kaffee trinkt, sollte auf jeden Fall einen Zwischenstopp in der Cizmedziluk Nr. 24 – im Dulistan – machen. In diesem winzigen Kaffeehaus (Bild siehe unten rechts) wird der (bosnische/türkische-)Kaffee noch in den traditionellen, handgeschlagenen Kupferkännchen Džezva zubereitet und mit Liebe serviert. Letztere eignen sich übrigens auch sehr gut als Mitbringsel und sind in den Straßen der Baščaršija überall günstig zu bekommen. Den dazugehörigen Mokka übrigens auch!
In Bosnien wird übrigens mit der KM bezahlt. Die Konvertible Mark ist seit Juni 1998 die Währung von Bosnien und Herzegowina. Sie war bis 2001 im Verhältnis 1:1 an die D-Mark gekoppelt, seit 2002 an den Euro (1 EUR = 1,95583 KM). Bis vor kurzem konnte man in der bosnischen Hauptstadt noch problemlos mit Euro zahlen und bekam KM zurück. Diese „Vereinfachung“ wurde in diesem Jahr von staatlicher Seite allerdings unterbunden, weswegen der ausländische Tourist nun – wie in alten „Vor-Euro-Zeiten“ – Geld wechseln muss. Das ist in Sarajevo aber kein Problem, da es im Zentrum der Stadt an jeder Ecke eine Bankfiliale gibt. Natürlich kann offiziell! auch mit Karte bezahlt werden. Dennoch empfiehlt es sich, vorher zu erfragen, ob die dafür nötigen Geräte auch wirklich funktionieren. Mit „Geräten“ ist es in Sarajevo nämlich so eine Sache. Zwar verfügt auch die kleinste Bar über kostenfreies schnelles W-LAN, die Liebe zu Taxametern ist dagegen nur wenig ausgeprägt, vor allem wenn westliche Fahrgäste im Auto transportiert werden. Hier deswegen ein zweiter wichtiger Hinweis: Wer am Flughafen ankommt, darf sich nicht wundern. In die Stadt geht es ausschließlich mit dem Taxi. Bus, Bahn oder Tram-Verbindungen gibt es nicht und zu Fuß ist der Weg zu weit. Also: Festpreis direkt mit den Fahrern ausmachen (gilt auch für längere Fahrten innerhalb der Stadt!). Die können zwar selten Deutsch oder Englisch, mit Händen und Füßen und der Wunschadresse auf einem Zettel klappt es in der Regel aber ganz gut. Vom Flughafen in die Innenstadt sollten 10 bis max. 15 Euro (da ist dann ein großzügiges Trinkgeld inklusive) reichen und diese Summe kann an dieser Stelle auch noch in Euro bezahlt werden.
Letzter Tipp für Reisen nach Sarajevo in der kalten Jahreszeit. Das alte Skigebiet Jahorina in den Bergen über Sarajevo erwacht immer mehr zu neuem Leben, schicke Hotels im traditionellen Stil entstehen derzeit an gleich mehreren Orten. Ein sehr beliebtes ist das Termag. Das ist zwar nicht ganz billig, liegt aber in einer traumhaft schönen Gegend. Skivernügen demnächst vielleicht mal auf eine ganz andere Art und Weise?Vielen Dank an den fleissigen Reisefreund Christian für diesen Guestpost!







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