Ressort Gesellschaft

Flaggen, Fahnen, Konfessionen – EU ohne England besser dran?

Von Politropolis

 

Es ist nun die siebte Nacht, in der es in Belfast zu Ausschreitungen kommt. Wie britische Zeitungen vom Dienstag berichteten, bewarfen pro-britische Demonstranten die Polizei mit Flaschen, Steinen und Golfbällen. Sogar Brandbomben und Feuerwerkskörper fliegen den Beamten entgegen. Auslgelöst wurden die seit Wochen schwelenden Proteste durch eine Entscheidung des Stadtrates in Belfast. Sie wollen die seit einem Jahrhundert über dem Rathaus wehende britische Flagge nur noch zu bestimmten Anlässen – an 17 Tagen im Jahr hissen.

Flaggen, Fahnen, Konfessionen – EU ohne England besser dran?

Fahne auf dem Buckingham-Palast: Die Queen ist zu Hause

“Probritische Loyalisten sehen in dem Beschluss des von proirischen Politikern dominierten Rats den Weg für eine weitere Loslösung der Provinz von London bereitet. Bei den Krawallen wurden bislang 106 Menschen festgenommen.” (2)
Inwieweit die Geschichte von vor über 300 Jahren für die Unruhen des 21. Jahrhunderts verantwortlich gemacht werden kann, darüber kann man geteilter Meinung sein.

Wilhelm, der Dritte aus dem Adelshaus der Oranier errang bei der nordirischen Schlacht am Boyne einen Sieg über den Katholiken und ehemaligen König von England Jakob den Zwoten. Am 1.Juli 1690 ereignete sich dieses Gemetzel, bei dem die „Protestanten“ siegreich waren. (Insgesamt 35.000 im Heer Wilhelms standen hurtig einberufenen 20.000 Jakobs gegenüber)
Doch der besiegte Jakob floh. Seine Truppen, zu denen auch irische Infanterie und Dragoner gehörten, konnten einen geordneten Rückzug antreten. Und so wurde dieser Krieg trotz der offiziellen Niederlage noch 1 Jahr weitergeführt. (1) Wenn man in die Nachrichten von heute schaut, ist kaum zu glauben, es würden hier noch immer die Geisterarmeen der Königs-Truppen des einen oder des anderen Feudalherren in Nordirland aufmarschieren.

 

Also alles wieder auf Anfang? Sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, statt miteinander zu reden, wie es so viele Jahre schlechte Sitte war im britischen Nordirland?” so beginnt der Europäische Sender “Euronews” seinen Beitrag, in einem empörten Bericht zur Lage in Nordirland.

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Nach den ganzen Querelen Englands und seinen eigenen Sorgen mit Spannungen und sozialen Unruhen wäre mancher Europäer nicht abgeneigt, das Land aus der EU zu entlassen.
Erst letzten Dienstag brachte “Arte” eine Sendung zu diesem Thema. ZDF-Moderator Theo Koll (“auslandsjournal”, “ZDF-Politbarometer”) untersucht eine fiktive Sondersendung aus dem Jahr 2016 die möglichen Auswirkungen und Konsequenzen auf beiden Seiten des Kanals. (5) <Link zum Film>

Europa würde ohne England außenpolitisch an Gewicht verlieren, glauben manche Experten. Die heutige europäische Außenpolitik, vertreten durch die Britin Lady Ashton als EU-Aussenbeauftragte ist jedenfalls nicht besonders glaubwürdig, wenn der Mit-Friedensnobelpreis-Träger auf der kleinen Insel es nicht schafft, einen seit 300 Jahren immer wieder in Gewalt ausufernden Konflikt mit einer Versöhnung der daran Beteiligten beizulegen.

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Quellen – weiterführende Links

(1) Focus-Online – Sechste Krawallnacht in Belfast
(2) Spiegel-Online – Fahnenstreit in Nordirland
(3) Wikipedia.org – Schlacht am Boyne
(4) Video: Euronews – Warum brennt es wieder in Nordirland?, auf youtube.com, uploader Euronewsde
(5) Arte.tv Europa ohne England
Foto: “Die Queen ist zu Hause” von Alexander Hauk, http://www.pixelio.de


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