Ressort Bildende Künste

Eva Rothschild: Hot Touch, Ausstellung im Kunstverein Hannover, ab November 2011

Von Helge

Eva Rothschild: Hot Touch, Ausstellung im Kunstverein Hannover, ab November 2011

Eva Rothschild, irische Künstlerin (geb. 1972), die heute in London lebt, hat erstmals eine Einzelausstellung in Deutschland - und das in Hannover, im Kunstverein! Ihre Skulpturen werden dort noch bis zum 29. Januar 2012 gezeigt. 

Sollte ich nach meinem Gesamteindruck von der Ausstellung gefragt werden, würde ich an erster Stelle das Spiel mit den verschiedensten Materialien nennen, mögen sie auch noch so wenig zusammenpassen. Und dann das Spiel mit den verschiedensten Formen. Drittens würde ich die sparsame Arbeitsweise der Künstlerin hervorheben, man mag es Minimalismus nennen. Und schließlich würde ich schildern, dass viele ihrer Plastiken wie Zeichnungen im Raum wirken (da greife ich allerdings einen Gedanken aus der Pressemitteilung auf).

Das Spiel mit den Formen kann dieses Bild beispielhaft zeigen, zugleich gibt es einen Eindruck von der geschickten Ausstellungsgestaltung, die den Material- und Formenreichtum gut zur Geltung bringt.

P1040874

 Als Beispiel für das Zusammenspiel der Materialien kann die Skulptur "Natural Beauty" von 2009 dienen, die aus Holz, Lack, Aluminium und Leder hergestellt ist. Ein frei stehendes Gestell aus Aluminium in T-Form ist von schwarzen Lederseilen umwunden und behängt, einige Enden hängen lose herab.

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Manchmal bricht ein Hang zum Skurrilen durch, wie bei "Wandering Palm" (2011), der wandernden Palme, die zugleich auch eine verwunderte (oder zum Staunen anregende) Palme ist, eine wondering palm.

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Ihr Stamm ist aus schwarz lackierten Klebebandrollen kunstvoll zusammengesetzt; man fragt sich, wie sich die Palme "aufrecht halten" kann oder nicht.

Vorsicht, die Titel der Werke sind meist rätselhaft oder irreführend und zeugen von Eva Rothfelds Witz und Humor. Was mag der Gesamttitel dieser Ausstellung bedeuten?

Ich zitiere abschließend ein paar Sätze aus der Pressemitteilung des Kunstvereins:

"In Rothschilds Objektwelten trifft die Geschichte der abstrakten Kunst und damit die Tradition geometrischer Formen auf eine oftmals rätselhafte Aura des Materials. Rationaler Minimalismus begegnet emotionaler Mystik. Indem sie mit Illusion spielt und physikalische Gesetze vermeintlich außer Kraft setzt, gelingt es Rothschild, den Betrachter zu irritieren, so beispielsweise mit »Sunrise« (2011), einem vertikal platzierten Reifen mit frei fallenden Lederbändern, der im Raum zu schweben scheint.
Kennzeichnend für Eva Rothschild ist ihr Umgang mit Wortbildern und -spielen, der sich in der humorvollen oder bisweilen narrativen Titelgebung ihrer Werke niederschlägt. Durch ihren Sprachgebrauch erzeugt sie eine Ambivalenz, die einmal mehr Verwirrung beim Betrachter stiftet und zugleich eigene Assoziationen auslöst. Hinter dem Titel der Skulptur »Wandering Palm« (2011), die aus Alltagsgegenständen hergestellt ist mit einem Palmenstamm aus schwarz-überzogenen Klebebandrollen, verbirgt sich eine Paronomasie: Das englische Wort »wandering« – zu deutsch »wandernd, umherstreifend« – hat phonetisch große Nähe zu »wondering« (im Deutschen: staunend, wundernd)".

Man könnte viele Geschichten erzählen, nachdem man diese Ausstellung gesehen hat - besuchen Sie sie selbst und lassen sich von Ihrer Fantasie durch die Räume des Kunstvereins begleiten. Die Ausstellung voller Überraschungen ist hervorragend gestaltet und in die Räume eingefügt - das scheint eine Spezialität des Hannoveraner Kunstvereins zu sein.

Text und die beiden oberen Fotos: Dr. Helge Mücke, Hannover; das untere Foto wurde vom Kunstverein für die Berichterstattung zur Verfügung gestellt (nicht frei verfügbar). Auf dem oberen Bild sind von vorne nach hinten folgende Werke erkennbar: Do-nut (2010), Sunrise (2011), Why Don't You ? (2011) (links), Hot Touch (2008) (rechts) und im nächsten Raum: Legend (2009). Das mittlere Bild zeigt, wie angegeben, Natural Beauty (2009). Bildtext zum unteren Bild: Eva Rothschild: »Wandering Palm«, 2011; Jesmonite, Aluminium, Lackleder, 255 x 236 x 85 cm; Courtesy Stuart Shave / Modern Art, London.


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