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ERIN MORGENSTERN "DER NACHTZIRKUS"

Erstellt am 5. Mai 2012 von Finiwini
Gebundene Ausgabe: 464 SeitenHerausgeber: UllsteinErscheinungsdatum: 15. März 2012Originaltitel: "The Night Circus"Leseprobe Dieses Buch kaufen?
Der Cirque des Rêves kommt ohne Ankündigung, eines Tages ist er einfach da. Er entführt seine Besucher in magische Zelte, in denen sich Dinge befinden, die nie gesehen und nie zuvor da gewesen sind. Doch hinter den Kulissen des Zirkus ist es ganz und gar nicht so harmonische, wie es nach außen hin suggeriert wird. Zwei konkurrierende Magier bilden ihre Kinder aus, dass zu Ende zu bringen, was sie selbst nie geschafft haben -  den Kampf auf Leben und Tod. Doch als Celia und Marco aufeinandertreffen passiert etwas, was die beiden Magier nicht vorhersehen konnten. Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von den Magiern unlösbar an den tödlichen Wettstreit und an den Zirkus gebunden, ringen beide um ihre Liebe, aber auch um den Zirkus. Denn dieser ist von ihren Überleben unmittelbar abhängig.
"Der Nachtzirkus" ist bei den meisten Lesern ein umstrittenes Werk. Die einen lieben es, die anderen können damit nichts anfangen. Ich persönlich kann beide Parteien verstehen, denn der Roman ist schon wirklich sehr außergewöhnlich. Dennoch muss ich sagen, dass mir genau das so gut gefallen hat. Von dieser Andersartigkeit lebt der Roman und nur dadurch wirkte er auf mich so authentisch und beinahe real. Vollkommen überzeugen konnte mich "Der Nachtzirkus" leider trotzdem nicht. Vermutlich waren meine Erwartungen aber auch einfach zu hoch geschraubt. Der zündende Funke ist bei mir während des Lesens leider nicht übergesprungen
Dennoch hat der Roman einen ganz unverkennbaren Charme. Das fängt schon beim Schreibstil an. Dieser ähnelt ein wenig dem eins Märchens. Das passt auch wunderbar, denn der ganze Roman ist ja wirklich geradezu märchenhaft. In einzelnen Kapiteln wird der Leser direkt angesprochen, während er die Welt des Zirkus erkundet. So bekommt man einen direkten Einblick in einen Großteil der Zelte und fühlt sich, als hätte man gerade tatsächlich eine Eintrittskarte in den wohl magischsten Zirkus aller Zeiten gekauft. Der Roman ist - neben den Kapiteln, die den Leser direkt adressieren - aus zwei verschiedenen Handlungssträngen aufgebaut. Beide liegen größtenteils etwa ein Jahr auseinander und nähern sich im Verlauf der Geschichte immer weiter einander an, um mit einem großen und entscheidenden Ereignis dann endlich aufeinander zu treffen. Der frühere Zeitstrang beschreibt die Entstehung des Zirkus und das Leben von Celia und Marco. Der spätere erzählt von einem Jungen namens Bailey, der für den Zirkus noch ein tragende Rolle spielen soll. 
Die Charaktere haben mir mal mehr, mal weniger gut gefallen. Celia fand ich die meiste Zeit über sehr sympathisch und authentisch. Ihr Vater, der eine der beiden konkurrierenden Magier, ist in meinen Augen geradezu ein Tyrann und behandelt seine Tochter äußerst unangemessen, geradezu gewalttätig und aggressiv. Man litt mit Celia mit und ich für meinen Teil entwickelte einen regelrechten Hass auf den Vater, der sein Kind so schrecklich behandelt. Marco dagegen blieb für mich weitestgehend im Dunkeln. Er ist ein charmanter junger Mann, aber zu seinem Innersten stößt man meiner Meinung nach nicht wirklich vor. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden fand ich wiederum ganz rührend. Natürlich handelt es sich auch hier mal wieder um die uns allseits bekannte "Verbotene Liebe", aber durch die magische Komponente bekam sie einen ganz eigenen, individuellen Hauch. Schön fand ich auch, wie beide ihre Liebe zu einander ausdrücken, denn durch ihre Zauberkräfte haben sie da ja allerlei Möglichkeiten ;)!
Der Roman ist ziemlich geschickt aufgebaut, wie ich finde. Liest man nämlich die ersten fünfzig Seiten, fragt man sich erst mal, wo den jetzt die magische Atmosphäre bleibt, die man sich eigentlich vom "Nachtzirkus" versprochen hat. Und prompt ein paar Seiten später stellt sich, zumindest für mich, genau diese Atmosphäre ein. Dann dachte ich, dass die Liebesgeschichte jetzt eigentlich fast ein wenig zu kurz kommt und wenige Seiten darauf fängt es an, richtig rund zu gehen. Als mir dann einige Seiten später ein bisschen die Spannung fehlte und alles nur so vor sich hin zuplätschern schien, jagte auf einmal ein aufregendes Ereignis das andere. Mir jedenfalls ging es so, dass kaum als ich etwas zu beanstanden hatte, wenige Seiten darauf meine Wünsche erfüllt wurden. 
Schreibstil hin, Charaktere her. Das ist es nicht, was den Roman ausmacht. Der eigentliche Charme des Buches geht definitiv von der grandiosen Idee und der mystischen und atemberaubend verzaubernden Atmosphäre aus. Die Idee ist einfach fantastisch. Besonders gut gefallen hat mir hier die Entstehungsgeschichte des Zirkus, denn die ist wirklich gigantisch gut. Durch diese Idee angefacht, erwacht auf einmal auch die zauberhafte Atmosphäre zum Leben, die der eigentliche Punkt war, weshalb ich immer weiterlesen wollte. 
Auch wenn bei mir der zündende Funke nicht übergesprungen ist, da ich fand, dass sich die Geschichte teilweise ein wenig zog und ich immer auf den einen oder anderen gewünschten Aspekt einige Seiten warten musste, bis ich zufrieden gestellt wurde, muss ich sagen, dass der Roman auf jeden Fall vier Sterne verdient hat. Vorallem Leser, die von den gängigen Fantasybüchern ein wenig gelangweilt sind, sollten zum "Nachtzirkus" greifen, denn dieser ist wohl der Inbegriff von Individualität und wird einen bestimmt an kein anderes, bereits gelesenes Werk erinnern. 

Vielen Dank an den Ullstein Verlag und Lovelybooks für dieses Leseexemplar.

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