Einen Monat ohne Jammern und Klagen? - Geht das denn?

Geht das denn?

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Erinnern Sie sich?

Im Sommer 2014 prägte die „Ice Bucket Challenge“ die Posts auf den Social-Media-Accounts deutscher und internationaler Promis, Sportler und Politiker. Sie alle ließen sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf schütten, spendeten für die bis dato unheilbare Nervenkrankheit ALS – und nominierten anschließend drei neue Anwärter.

Eine weniger spektakuläre Aktion kann man jeden Tag am Arbeitsplatz oder zu Hause beobachten. Ganz viele Menschen schütten sich auch einen Kübel über – aber nicht mit erfrischendem Wasser, sondern mit üblem Jammern und Klagen. Und das täglich.

Jammern überfällt uns ganz von selbst. Achten Sie mal darauf bei den täglichen Gesprächen:

  • Morgens beim Bäcker („Wie geht’s?“ „Muss ja.“)
  • Im Wartezimmer beim Arzt („Muss man hier immer so lange warten?“)
  • In der Kaffeepause bei der Arbeit („Ich weiß gar nicht, wie ich mein Pensum schaffen soll, aber meinem Chef ist das ja egal.“)
  • In Meetings („Haben Sie meine Mail nicht gekriegt? Sie waren doch auf CC. Wer lesen kann, ist im Vorteil.“)
  • Wenn Sie nach Hause kommen („Hast du etwa vergessen, Brot mitzubringen? Wenn man sich auf dich mal verlässt.“)

Dauernd wird geklagt und gejammert.

Dafür gibt es einen guten Grund. Nichts schafft schneller Kontakt zwischen Menschen als das gemeinsame Klagen. Wer dagegen sagt, dass es im gut geht oder was ihm heute gut gefiel, erlebt eher Distanz, Argwohn – und ein Jammeranfall des Anderen.

Probieren Sie es aus. Gehen Sie morgens ins Büro und sagen Sie:

  • „Toll. Heute kein Stau und ich brauchte nur 15 Minuten durch die Stadt.“
    Reaktion: „Na toll. Dafür konnte ich eine halbe Stunde in der U-Bahn stehen.“
  • „Was für ein schöner sonniger Tag.“
    Reaktion: „Wenn‘ so heiß ist, gibt’s sicher noch ein Gewitter.“
  • „Die Umsatzzahlen für das letzte Quartal sehen wieder sehr gut aus.“
    Reaktion: „Na, dann können sich unsere Aktionäre ja mal wieder freuen.“

Es ist wie bei der Zeitung: Only bad news are good news.

Forscher halten das für unser biologisches Erbe. Indem wir uns auf das Negative fokussieren, würden wir uns Augenmerk verstärkt auf Gefahren richten – um zu überleben.

Hmm.

Aber Jammern und Klagen hat auch einen hohen Preis.
Wenn wir Negatives denken oder von uns geben, werden im Gehirn Stresshormone erzeugt, die Problemlösen und andere kognitive Funktionen blockieren können. Das passiert sogar, wenn wir jemand anderem zuhören, der jammert. Sie merken es daran, dass es Sie energetisch runter zieht.

Also wie Passiv-Rauchen. Nur eben Passiv-Jammern.

Doch eingefleischte Gewohnheiten wie das Jammern und Klagen zu ändern ist schwer. Darüber habe ich ja im hier im Blog immer wieder geschrieben.
Aber nicht unmöglich.


Deswegen starte ich heute „Die 30-Tage-Nicht-Jammern-Challenge!

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Hier die 7 einfachen Schritte dazu.

1. Klären Sie, was Jammern ist.

Nicht jede Kritik oder negative Bemerkung ist ja schon Jammern.
„Heute ist es heiß“ ist eine Feststellung, kein Jammern.
„Mann, ist das heute schon wieder so heiß!“ Das geht schon etwas in Richtung Jammern.
„Erst zu kalt, dann Regen, heute ist es wieder heiß. Was ist nur mit unserem Wetter los?“
Na, das erkennen Sie selbst.

Hier eine gute Definition von Jammern:

Sie jammern,
wenn Sie ein Ereignis oder einen Menschen negativ bewerten
ohne Lösungsschritte anzugeben.

  • „Eine geschlagene halbe Stunde stand ich heute wieder im Stau. Was für eine Zeitverschwendung!“
  • „Dauernd klingelt das Telefon heute. Wie soll da einer arbeiten?
  • „Verdammt, wo ist denn jetzt schon wieder mein Autoschlüssel? Hält hier denn niemand Ordnung?“

Blöde Menschen (also Menschen, die meinen Erwartungen widersprechen) gibt es ja immer wieder.
Und blöde Situationen passieren einfach. Dies zu bemerken und sich darüber zu ärgern ist angemessen und (in Grenzen) gesund.
Sich aber länger darüber aufzuregen und es allen möglichen Leuten ungefragt mitzuteilen („Stell dir vor, was mir heute passiert ist…“), ist Jammern.


2. Notieren Sie, wie oft Sie sich beklagen – und worüber.

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Alle Veränderung beginnt mit Ihrer Aufmerksamkeit.
Also Achtsamkeit.

Machen Sie eine Strichliste über Ihr Jammern. Vielleicht mit verschiedenen Rubriken über Ihre Lieblingsklagen.
Vermutlich sind Sie schon nach drei Stunden geschockt. So viele Striche!
Und erst nach einem ganzen Tag. Einer Woche.

Trösten Sie sich! Sie sind in guter Gesellschaft.
Jammern ist Kult. In Deutschland sowieso. Und – wie gesagt – es verbindet.
Noch der unsinnigste Jammer-Kommentar bei Facebook kriegt Hunderte oder Tausende von Likes.


3. Meiden Sie chronische Jammerer.

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Wie gesagt: Auch Passiv-Jammern schadet Ihrer Stimmung.
Und wenn Sie einem Jammerer teilnahmsvoll zuhören, ermuntern Sie ihn noch, es immer weiter zu tun. Oder wenn Sie gar einen guten Tipp geben, wie derjenige das doch ändern könnte. Jetzt kommen noch mehr Klagen.

Machen Sie also aus Ihrem Büro oder Ihrem Arbeitszimmer eine jammerfreie Zone.

Und wenn Sie selbst der Jammerer sind?


4. Finden Sie zu Ihren Klagen eine positive Lösung.

Die Studentin Julia Engelmann wurde 2013 zum Youtube-Star, weil sie auf einem Poetry-Slam in einem Gedicht minutenlang ihre Entscheidungsarmut bejammerte – und dann aber über Lösungen nachdachte.

Jeder erschafft sich seine Welt.
Menschen sind wie sie sind. Dinge passieren.
Entscheidend ist immer, wie Sie das Wahrgenommene interpretieren.

Meine Definition oben war ja: Sie jammern, wenn Sie ein Ereignis oder einen Menschen negativ bewerten ohne Lösungsschritte anzugeben.

Das heißt: Jammern ist auch eine Lösung! Denn mit Jammern …

  • Teilen Ihre Gefühle mit anstatt diese in sich reinzufressen.
  • Finden Sie schnell Kontakt zu anderen Menschen, die auch gern jammern.
  • Stellen Sie klar, dass Sie an der Sache nichts ändern können aber der Leidtragende sind

Aber Jammern ist eben eine negative Lösung. Sie fühlen sich dabei  vermutlich frustriert, verärgert, resigniert – und hilflos.

Ganz anders fühlt sich Ihr Jammern an, wenn Sie sich auf die Suche nach einer Lösung machen.
Hier nochmal die Beispiele von oben – mit einer möglichen Lösung.

  • „Eine geschlagene halbe Stunde stand ich heute wieder im Stau. Was für eine Zeitverschwendung!“ (Jammern)
    „Eine geschlagene halbe Stunde stand ich heute wieder im Stau. Was für eine Zeitverschwendung! Morgen probiere ich aus, eine halbe Stunde früher loszufahren.“ (Jammern mit Lösung):
  • Dauernd klingelt das Telefon heute. Wie soll da einer arbeiten?“ (Jammern)
    „Dauernd klingelt das Telefon heute. Wie soll da einer arbeiten? Ich frage Anna, ob ich meine Anrufe eine Stunde auf ihren Apparat umleiten kann.“ (Jammern mit Lösung)
  • „Verdammt, wo ist denn jetzt schon wieder mein Autoschlüssel? Hält hier denn niemand Ordnung?“ (Jammern)
    „Verdammt, wo ist denn jetzt schon wieder mein Autoschlüssel? Hält hier denn niemand Ordnung? Ab heute hänge ich ihn immer ans Schlüsselbrett.“ (Jammern mit Lösung)

5. Statt jammern dankbar sein.

Über die segensreiche Wirkung von Dankbarkeit habe ich ja hier im Blog auch schon geschrieben. Dankbar zu sein ist deswegen so wichtig, weil es Ihre Erwartungen reduziert. Auf das, was sie eigentlich sind: Wünsche.
Und Wünsche werden eben manchmal nicht erfüllt.

Wenn Sie aus Ihren Wünschen aber Erwartungen machen, also sie mit einem Anspruch überfrachten, zahlen Sie oft die Zeche in Form von Enttäuschungen. Denn die Realität pfeift auf Ihre Erwartungen. Sie hat ihre eigenen Regeln. Und gegen die Realität, also die Macken anderer Menschen, den Teufel, der im Detail steckt oder der Shit, der eben passiert – gegen diese Realität gewinnen Sie nie.

  • „Das ist ja das mindeste, was man erwarten darf.“
  • „Wir leben hier doch in keiner Bananenrepublik.“
  • „Rufen Sie mir sofort den Geschäftsführer.“

Das sind so die Lieblingssätze der Beschwerdeführer. Vor allem berüchtigt bei Hotelmanagern, die sich oft mit kuriosen Klagen von Urlaubern befassen müssen. („Der Sand war zu sandig“)

Mit Dankbarkeit kommen Sie wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurück und fokussieren sich auf das, was da ist – anstatt auf das, was nicht da ist:

  • „Gott, ist heute das Internet wieder lahm!
    Aber schön, dass ich überhaupt einen PC und Internet habe.“
  • „Die Lieferung war fest für heute zugesagt, ist aber nicht angekommen.
    Dann kommt sie wahrscheinlich morgen. Prima.
  • „Ausgerechnet heute wo das wichtige Meeting ist, muss ich krank werden. Das kann wieder nur mir passieren.
    Zum Glück bin ich angestellt und kann mich in Ruhe auskurieren.

Die Beispiele sollen zeigen, dass Sie immer eine Wahl haben. Nicht über das, was passiert oder wie Ihr Partner oder Ihr Chef drauf ist.
Aber wie Sie darauf reagieren.
Natürlich dürfen Sie sich ärgern. Vorwürfe machen. Jammern und klagen.

Aber Sie können es auch einfach sein lassen. Und dadurch Ihre Stimmung positiv beeinflussen.


6. Sagen Sie statt „Ich muss“ öfter „Ich will“.

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Es ist doch ganz einfach im Grunde: Sie müssen nichts. Kein Mensch zwingt Sie mit vorgehaltener Pistole zu irgendwas.

Das was Sie tun, wollen Sie tun – weil Ihnen die Konsequenzen noch unangenehmer sind.

Aber statt dazu zu stehen, dass wir es wollen, obwohl es lästig, anstrengend, zeitraubend, sinnlos etc. ist, sagen wir „Ich muss.“
Und jammern. Das ist der Mini-Protest und Trostpreis, den wir uns selbst schenken.

Machen Sie es sich leichter: Sagen Sie statt „Ich muss“ einfach „Ich will“.

  • „Ich muss vor dem Ins-Bett-Gehen noch die Küche aufräumen.“
    „Ich will vor dem Ins-Bett-Gehen noch die Küche aufräumen.“
  • „Ich muss in einer Stunde diese blöde Statistik fertig haben.“
    „Ich will in einer Stunde diese blöde Statistik fertig haben.“
  • „Ich muss mindestens 5 Kilo abnehmen.“
    „Ich will höchstens 5 Kilo abnehmen.“
    Diese seltsame Formulierung basiert auf diesem Trick.

Zu Beginn werden Sie sich bei dieser Sprachänderung etwas seltsam vorkommen. Und Ihre Kollegen und Familienmitglieder werden irritiert schauen: „Du willst heute Überstunden machen? Alles in Ordnung bei dir?“

Aber das zeigt ja nur, wie sehr wir uns an die allgegenwärtige Jammerkultur gewöhnt haben. Das Leben soll einfach, bequem und mühelos sein. Wäre es ja auch, wenn wir nicht dauernd irgendetwas müssten.


7. Hier noch ein Tipp zum Nicht-Jammern – aber nicht für Masochisten.

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Gemeinhin strebt der Mensch nach dem Glück und will den Schmerz vermeiden. Aus der Motivationspsychologie und der Alltagserfahrung wissen wir aber, dass Strafen auch zu einer Verhaltensänderung führen können.

Jeder Berufstätige, der auf sein Auto angewiesen ist und mal ein dreimonatiges Fahrverbot aufgebrummt bekam, wird das bestätigen.
Und das können Sie sich bei dieser 30-Tage-Nicht-Jammern-Challenge sich zunutze machen.

Mit einem einfachen Gummiband um Ihr Handgelenk.
Und jedes Mal, wenn Sie sich beim Jammern erwischen, lassen Sie das Gummiband mal kurz schnalzen: „Autsch! Wieder gejammert!“

Der Tipp gilt aber nicht für Masochisten. Die würden vielleicht extra jammern, nur um dann nach der vermeintlichen Bestrafung lustvoll zu stöhnen.


kommentarWollen Sie bei der „30-Tage-Nicht-Jammern-Challenge“ mitmachen?

Wenn ja, können Sie sich hier mit einem Kommentar öffentlich dazu verpflichten. Das wirkt stärker, als wenn Sie es nur für sich allein beschließen. Das Ganze funktioniert so:

  1. Schreiben Sie hier als Kommentar, worüber Sie oft jammern.
    Und ob Sie damit aufhören wollen.
  2. Besuchen Sie öfter diesen Blogbeitrag und berichten Sie über Ihre Erfahrungen:
    – Wann sind Sie rückfällig geworden? (Kein Stress, das ist völlig normal.)
    – Was haben Sie statt Jammern gemacht?
    – Welche Wirkung hatte das Nicht-mehr-Jammern auf Sie? Und auf Ihre Umgebung?
  3. Nennen Sie max. drei andere Menschen, die bei dieser Challenge mitmachen sollten, und leiten Sie an diese den Hinweis zu dieser Challenge mit diesem Link weiter:

PS: Dieser Blogbeitrag bleibt hier 1 Monat auf der Startseite für diese Challenge.
Und weil ich eine Sommerpause beim Bloggen einlege.

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Bilder: © visualhunt.com

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