Ein Schwangerschafts-Update

Dieser Artikel enthält nur Text und keine Bilder. Ich hab Euch gewarnt.

Ich hatte lange Zeit kein Bedürfnis, über die Schwangerschaft zu schreiben. Nicht, weil sie blöd ist oder es mir schlecht ging, aber weil sämtliche Einflüsse von außen, insbesondere aus dem Umfeld der Ärzte und leider auch Hebammen irgendwie so negativ auf mich wirkten, dass ich einfach keine Lust mehr hatte, drüber zu reden.

Insgesamt: Es geht mir gut.

Ich hab  die Hälfte des Weges hinter mir. Das Baby tritt von Zeit zu Zeit, besonders gern scheint es jedoch mit dem Kopf auf meiner Blase rumzuliegen. Wach wird es hauptsächlich dann, wenn ich “das Baby” sage. Oder es nicht einbeziehe und nur von Christoph und mir spreche. Wir sind in einer guten Verbindung, wir zwei.

Ich bedaure es, dass Christoph kaum mehr mitbekommen kann als das, was ich ihm erzähle, aber ich freu mich sehr auf die Zeit, wenn das Baby da ist und er auch endlich was davon hat 🙂

Entgegen der Prognosen diverser Ärzte haben sich meine Blutzuckerwerte in den letzten Wochen nicht massiv verschlechtert. Sie sind immer noch höher als die Norm (also 95+), in die man mich gern pressen möchte, vorgibt. Dafür habe ich aber keine Werte, die höher als 125 (oder so) sind, nach dem Essen, nie gehabt. Warum? Weil ich immer noch Low-Carb esse. Viel Gemüse, Fleisch, Milchprodukte. Nur Hühnchen musste ich leider streichen, davon wird mir kotzübel. Ich esse auch weiterhin rohen Fisch, allerdings nur den, den wir selber frisch kaufen und zubereiten. In Hamburg geht das.

Körperlich macht mir praktisch nichts zu schaffen, zwischenzeitlich hatte ich mal eine Zahnfleischentzündung, die sich aber mit viel Omega3 und etwas sorgfältigerer Zwischenraumpflege ganz gut in den Griff bekommen ließ. Dieses Wochenende hatte ich heftige Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich, bis mir auffiel, dass ich einfach nicht genug getrunken hatte und meine Niere vielleicht davon nicht ganz so begeistert war.

3 Liter Wasser später war alles soweit wieder in Ordnung (nein, so einfach war es nicht, aber das ist das, woran ich mich erinnern mag 😉 )

Ich fahre Fahrrad, ausser es regnet (also derzeit leider nicht so oft), eigentlich mache ich alles wie immer, nur das mit dem Ouzo lasse ich sein, obwohl es genug “What the Fuck” Tage gibt, an denen ich sonst üblicherweise mit dem Mann einen trinken gehen würde.

What the fucking fuck?

Eine seltsame Begegnung mit einer Therapeutin, die ich eben wegen meiner psychischen Belastung in den letzten Wochen aufsuchte, war der Gipfel der Seltsamkeiten in dieser Schwangerschaft, bisher jedenfalls.

Ich habe danach eine Mail an die Therapeutin geschrieben: Sehr geehrte Frau Therapeutin,

einige Stunden nach unserem Gespräch habe ich nun das Bedürfnis, Ihnen eine Rückmeldung über den heutigen Termin zu geben. Ich wandte mich an Sie, um psychologische Unterstützung zu erhalten, da ich in meiner bisherigen Schwangerschaft wiederholt mit übergriffigem und mich verletzendem Verhalten von Ärzten und anderen medizinischen Dienstleistern zu tun hatte, und mich hierdurch geschwächt und müde fühle. Zudem habe ich die Befürchtung geäussert, wieder in eine Depression zu rutschen oder bereits depressiv zu sein. Auch berichtete ich Ihnen über meine Beschäftigung mit Feminismus und alternativer Lebensführung, und dass ich oft das Gefühl habe, dort an Verständnisgrenzen zu stoßen.

Folgende Ergebnisse und Rückmeldungen habe ich aus dem Gespräch heute mitgenommen:

  • Ich nehme Kontakte mit medizinischen Dienstleistern zu persönlich. Diese hätten keine Zeit, sich auf jeden Patienten persönlich einzulassen.
  • Ich soll mir Freundinnen suchen, die ebenfalls schwanger sind, da diese besser, wenn nicht gar ausschließlich, verstehen könnten wie es mir gerade geht.
  • Emotionale Erpressung durch medizinische Dienstleister ist in Ordnung, soweit eine echte Besorgnis dahinter steht.
  • Ich soll täglich mindestens eine halbe Stunde in der Sonne spazieren gehen, um meine Serotoninproduktion anzukurbeln.

Üblicherweise würde ich Sie jetzt fragen, ob ich das alles richtig verstanden habe. Wie ich jedoch bereits in unserem Gespräch erwähnte, sind Kraft und Willen zur Kooperation mittlerweile nicht mehr vorhanden. Natürlich möchte ich den Termin für nächste Woche gerne absagen. Eine Antwort auf meine Rückmeldung wünsche ich nicht. Viele Grüße (Nach einer wahren Begebenheit. Gekürzt für’s Persönlichkeitsrecht und so. Erweitert für Verständnis von aussen – auch wenn ich so langsam die Hoffnung aufgebe, dass es existiert.)

Dieser Begegnung vorausgangen waren folgende Erlebnisse:

  • Meine erste Gynäkologin, die mir wiederholt mit Fehlbildungsrisiko drohte, weil ich das Metformin, wie von der Kinderwunschklinik empfohlen, im 1. Trimester weiternehmen wollte (gut, eigentlich auch darüber hinaus, aber das ist ein ganz anderes Thema).
  • 2 Diabetologen, die das mit dem Metformin für weniger problematisch hielten, mir aber trotzdem kein Metformin verschreiben wollten, weil das “in Deutschland nicht üblich sei”.
  • eine Diabetologin, die mich bereits in der Frühschwangerschaft Ernährungstagebuch führen ließ, und Zuckerwerte nüchtern, vor und nach den Mahlzeiten messen ließ, was dazu führte, dass ich nichts mehr essen wollte.
  • eine Ernährungsberaterin, die mich bei Durchsicht meines Tagebuchs nötigen wollte, “wenigstens Vollkornprodukte zu essen, mein Kind würde die Kohlenhydrate brauchte, und die ich mit “soweit ich weiß wird das Kind mit Glucose versorgt, und anhand meiner Blutzuckerwerte können Sie ja ganz gut sehen, dass die Glucose-Synthetisierung durch die Leber bei mir leider eher zu gut funktioniert – sofern also mein Fötus nicht ein Spezialfall ist, der sich ganze Vollkornweizen-Körner durch die Nabelschnur zieht, sehe ich da jetzt kein Problem.” zum Schweigen bringen musste.
  • ein daraus resultierender Termin in einer Beratungsstelle für Esstörungen und 6 Kilo Gewichsverlust (Keine Sorge, ich hab immer noch etwa 110 Kilo auf der Waage und der Bauch wächst.)
  • Diverse Ärzte, die mir erst Schuldgefühle bezüglich diverser Themen einreden wollten, und sich mit “Aber jetzt freuen Sie sich doch erstmal, dass Sie schwanger sind!” verabschieden wollten.
  • Diverse Mitarbeiterinnen von Ärzten, die es “interessant” bis “befremdlich” fanden, dass ich mit dem Fahrrad anreiste (wie denn sonst, hab ich nen Helikopter oder was?)
  • meine letzte Gynäkologin, der meine Beantwortung der Frage, ob ich vaginale Untersuchungen auf Basis sexueller Gewaltererfahrung ablehne, nicht reichte, sondern die “Sexueller Missbrauch in der Kindheit?!” nachhaken musste.
  • Meine Hebamme, die mich zu eben jener Gynäkologin geschickt hatte, weil sie sie “eventuell hinzuziehen” wollte, falls sie sich mit der Größe des Kindes irgendwann nicht mehr sicher sei und Unterstützung durch einen Ultraschall brauche
  • Die Gynäkologin, die dies ablehnte und sagte, sie wolle nicht nur Ultraschall machen sondern auch die andere Vorsorge mitmachen “und reden”.

Und leider, leider muss ich sagen, dass ich mir hier wirklich nur die Rosinen rausgepickt habe.

Positive Erlebnisse hatte ich praktisch nur zwei:
Die Essstörungs-Beratung und das Organscreening beim Spezialisten. Beide auf ihre ganz eigene Art und Weise gut. Letzterer vermutlich, weil er einfach nur auf das sah, was ist, und nicht auf das hätte-könnte-wollte-sollte. Und nicht reden wollte. Ich mag nicht mehr reden, und vor allem nichts mehr hören.

Risikoschwangerschaft

Ja, was für ein Risiko eigentlich? Wenn man nach all den Dingen geht, die ich so richtig und falsch mache in dieser Schwangerschaft, habe ich ein erhöhtes Risiko, ein zu großes Kind zu bekommen. Und ein zu kleines. Und zu früh! Und zu spät.

Es ist wirklich alles dabei, und das Risiko ist nicht nachvollziehbar für mich. Leider hat sich durch die Klassifizierung als Risikoschwangere auch mein Wunsch nach der Geburtshaus-Geburt zerschlagen.

Auch schade: Man teilte mir das in der 17. Woche mit, obwohl wir von Anfang an sehr offensiv mit den “eventuellen Problemen” umgegangen sind. Hätte uns vorher mal jemand richtig zugehört und sich das alles richtig angesehen, hätte man mir schon in der 10. Woche sagen können, dass das nichts wird, und ich hätte eine Chance gehabt, mir eine Beleghebamme zu suchen.

So läuft nun alles auf eine klassische Klinik-Entbindung ohne 1:1 Betreuung hinaus, und ja, ich fühle mich ein wenig um diese Option betrogen. Auch eine “wird schon alles, warten wir mal ab, sehen wir dann” Haltung muss man sich leisten können.
Und so schlafe ich schlecht, weil ich Alpträume von Kaiserschnitten habe – dass in meinem Umfeld praktisch niemand natürlich entbunden hat, hilft hier natürlich nicht weiter.

Recht auf Normalität

Die allgemeine Annahme der Menschen scheint zu sein: Je länger und beschwerlicher der Weg zur Schwangerschaft, desto höher das Bedürfnis nach Sicherheit. Nur, dass Sicherheit eben eine sehr individuelle Geschichte ist. Ich habe Freundinnen, die nach wiederholten Fehlgeburten dankbar für jeden Ultraschall waren, und jede Möglichkeit der Bestätigung, dass mit dem Baby alles gut ist.

Und ich kann das total verstehen!

Ich habe dieses Bedürfnis nicht. Ich habe das dringende Bedürfnis, auf mich, meinen Körper, und die Signale des Kindes, das in mir wächst, zu hören. Das heißt nicht, dass ich nicht entzückt war, als ich das Gesicht im Ultraschall-Querschnitt bei der Feindiagnostik sehen konnte, sehen konnte, wie das Baby sich versuchte die Hand in den Mund zu stecken.
Es heißt lediglich, dass ich diese Bestätigung nicht so oft brauche, und dass mich diese visuelle Unterstützung eher ablenkt. Dabei, eine mentale Beziehung zu dem Baby aufzubauen, das im Reagenzglas von einem Techniker gezeugt wurde, das von einer Gynäkologin mittels Ultraschall-Unterstützung in meiner Gebärmutter platziert wurde.

Jeder technische Eingriff erinnert mich wieder an die technische Unterstützung, die notwendig war, um dieses Kind in mir wachsen zu lassen. Und ich will, dass es ab nun so viel wie möglich seine Ruhe haben kann. Das ist mein Bedürfnis, und das ist genau so okay wie das Bedürfnis meiner Freundinnen nach 3D-Ultraschall-Videos.

Genervt vom Mainstream

“Du bist schwanger? Wie weit? Wann hast Du Termin? Wisst Ihr, was es wird? Ah, Überraschung. Lustig. Und Namen? Achnee, geht ja gar nicht, wenn Ihr noch nicht wisst was es wird.”

So oder so ähnlich ist die Standard-Unterhaltung mit Aussenstehenden. Ich nehm das tatsächlich nicht mehr so persönlich wie ich erwartet hatte, aaaber. Es ist so dämlich und sinnlos, nach den Genitalien Ungeborener zu fragen, und daraus Rückschlüsse auf irgendwas zu ziehen. Ich überlege ernsthaft, ein “Gender Reveal” Video zu machen. In ein paar Jahren, wenn Lütten sprechen kann und verstanden hat, was das gesellschaftliche Konzept “Junge” oder “Mädchen” bedeutet – dann lasse ich es ein paar Ballons zerstechen, die Regenbogenkonfetti enthalten, oder so.

Und ich bin beschäftigt mit dem Konzept in meinem eigenen Kopf: Ich will ein Kind mit Penis nicht in Kleidchen zwingen, bevor es nicht den eigenen Wunsch danach äussert. Aber andererseits, warum würde ich das mit einem Vagina-Kind tun? In meinem Kopf existieren “Jungen” und “Mädchen”, ihnen sollen nur deswegen keine Grenzen gesetzt werden.

Barbie will in einer neuen Kampagne das Spielen von Vätern mit ihren Töchtern und Barbie fördern. Warum nur mit den Töchtern? Barbie ist noch nicht so weit, dass sie sich auch an Jungs vermarkten können.

Geld und Elternzeit

Irgendwann letzte Woche fragte ich mich noch, wie Leute das alles finanzieren. Wickeltisch, Babybetten, teure Kinderwagen mit Sonderausstattungen und diverse andere superwichtige Sachen. Dann wurde mir klar: Finanzieren. Baby Walz bietet Ratenzahlung an, die werden wissen warum.
Bei uns ist die Kasse leer, Konsumkredite finde ich doof, und ohne Unterstützung durch Freunde und Bekannte, die uns Sachen gebraucht überlassen, sowie meine Mama, die uns finanziell unterstützt hat, würde das Baby vermutlich erst einmal wirklich in der finnischen Pappkiste schlafen müssen.

Es ist jedoch nicht leicht, sich mit den eigenen Gefühlen der Unzulänglichkeit auseinander zu setzen, anstatt sie mit “billiger kaufen” oder ähnlichen Mechanismen zu überdecken. Ich schaue jetzt also weniger Videos, in denen Babyartikel präsentiert werden, von denen ich das Gefühl habe, dass ich sie bräuchte, um eine gute Mutter zu sein. Ich denke, ich werde vor allem eins brauchen, um eine gute Mutter zu sein, und das bin ich selbst, in meiner besten Form.

Trotzdem gibt es natürlich Dinge, die man braucht, und deswegen:

hier ganz am Ende, für die Hardcore-Leser unter Euch, mal der Link zu unserer
Babyliste bei Amazon.

Alternativ könnt Ihr mich auch unterstützen, indem Ihr zum Beispiel diesen Link als Bookmark zu Amazon setzt und darüber Eure Bestellungen macht.

Und so wie es aussieht, wird sich die Elternzeit und der Bezug von Elterngeld nur lohnen, wenn Christoph Teilzeit arbeitet und wir den fehlenden Betrag dann mit Elterngeld aufstocken können. Mit meiner Selbständigkeit verdiene ich einfach nicht genug, dass es sich lohnen würde, für mehr als 2 Monate in Elternzeit zu gehen – und ich verdiene nicht wenig genug, dass wir es uns leisten könnten, dass ich nicht nach 2 Monaten auch wieder loslege, zumindest stundenweise.

Durch die Arbeit von zu Hause wird sich das ja aber weiterhin flexibel gestalten lassen, und das ist auch etwas, das wir noch ein bisschen vor uns her schieben können.

So viel für heute von mir. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass von aussen noch nicht weitere Einschläge passieren, und einfach alles ganz unaufgeregt weiterlaufen kann. Dann gibt’s von mir wohl erst wieder was zum Thema Schwangerschaft zu lesen, wenn sie vorbei ist.

Wenn Euch jedoch (wirklich) interessiert, wieviel Krempel wir mittlerweile für’s Baby angehäuft haben, oder Ihr Euch noch ausführlichere Artikel zu den hier angeschnittenen Themen wünscht, lasst es mich wissen. Ihr wisst ja wie 😉


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