Die Spiegelstadt | Justin Cronin

Die Spiegelstadt | Justin Cronin

Inhalt

In einem großen Kampf sind die Zwölf vernichtet und ihre Schreckensherrschaft endlich beendet. Ganz langsam und voller scheu trauen sich die Überlebenden wieder aus ihren ummauerten Zufluchten. Die Hoffnung hält Einzug. Endlich können die Menschen aus den Ruinen der Vergangenheit neue Städte gründen und eine neue Gesellschaft aufbauen.
Doch sie sind noch nicht sicher, denn in einer verlassenen Stadt wartet der Eine: Zero. Der Allererste, der Vater der Zwölf, der den Ursprung des Virus in sich trägt. Er war einmal ein begabter Wissenschaftler, doch nun möchte er nichts als Schaden anrichten und seine Truppen sind bereit.
Einzig Amy, das Mädchen von Nirgendwo, scheint ihn aufhalten zu können. Also treten sie und ihre Freunde zum letzten Gefecht an, um zu entscheiden ob das Licht die Dunkelheit besiegen kann.

Leider konnten die Erwartungen, die ich an das Buch hatte, nicht erfüllt werden.

Nachdem mich „Der Übergang“ und auch „Die Zwölf“ so begeistern konnten, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich endlich zu „Die Spiegelstadt“ von Justin Cronin greife. Gemeinsam mit einer sehr guten Freundin habe ich bereits die ersten beiden Bände gelesen und so haben wir auch den letzten Teil zusammen durchlebt. Wir sind uns allerdings einig, dass Cronin der Abschluss der Trilogie nicht so gut gelungen ist, wie der Beginn.

Wie auch schon in Band 2 hat Cronin als Prolog eine Art Zusammenfassung in einer Bibelähnlichen Form geschrieben, um dem Leser den Einstieg zu erleichtern. Obwohl es bei mir noch nicht allzu lange her ist, dass ich den letzten Teil gelesen habe, hat es doch geholfen mir die Ereignisse zurück ins Gedächtnis zu rufen.

„Vielleicht also war das wirklich alles, was zählte. Einfach am Leben zu sein, zu lieben und wiedergeliebt zu werden – vielleicht war das genug.“ (S. 42)

Der erste Teil des Buches zeigt dann, was aus den Charakteren geworden ist. Wohin sich ihre Wege verstreut haben, was sie nun mit ihrem Leben anfangen, da sie frei sind.
Das hat mir sehr gut gefallen, so bekommt man als Leser ein Gefühl dafür, wie es den Charakteren geht, wie sie die Ereignisse verarbeitet haben und gleichzeitig bekommt man eine kleine Vorstellung davon, was sie alle in Zukunft tun werden.

Dann jedoch gibt es im zweiten Teil einen ersten Bruch. Wir kehren zurück ins Jahr 1989 und lernen Tim Fanning kennen. Er ist Zero, der erste, der vom Virus befallen wurde und somit der Vater der Zwölf. Doch bevor er zu Zero wurde,  hatte auch er ein Leben und genau darin bekommen wir Einblick.
Zuerst hat es mich noch sehr interessiert, in den Kopf des jungen Mannes zu blicken. Doch irgendwann wurde es mir etwas zu viel. Fanning ist schon als Mensch keine sehr angenehme Person. Ich habe ihn nach und nach immer weniger gemocht. Ich kann nicht richtig benennen, woran es gelegen hat. Was ihn als Jungen schüchtern und unsicher wirken hat lassen, verändert sich später in einen eher arroganten und verbitterten Mann. Die Geschichte, die er erzählt, dient letztlich dazu ihn etwas zu verstehen, doch das auf über 170 Seiten zu klären, war doch etwas viel.

„Hinter jedem großen Hass steht eine Liebesgeschichte.“ (S. 155)

Fanning will Mitleid erregen und das gelingt ihm auch, doch nicht alles, was ans Licht kommt, war für die Geschichte relevant. Nicht alles hätte in dieser Ausführlichkeit dargestellt werden müssen. Dieser Teil, war einer der Stellen, die ich sehr schnell hinter mich bringen wollte. Vor allem, weil vieles einfach nichts für die Geschichte an sich getan hat. Es hat die Handlung nicht maßgeblich voran gebracht.
Was allerdings nicht heißen soll, dass Cronin diese Geschichte nicht gut geschrieben hat. Die Art, wie er Fannings Vorgeschichte verpackt hat, war sehr gut. Das konnte aber nicht darüber hinweg retten, dass es mich schlichtweg nicht so interessiert hat, wie die Handlung rund um Peter, Amy, Sara und Co.

Nach diesem eher ermüdenden Teil rund um Fanning beginnt die eigentliche Handlung. Es gibt erneut einen Zeitsprung und wir befinden uns 21 Jahre später. Peter, Sara und die anderen haben sich ein Leben aufgebaut. Ihre Kinder haben selbst Familien gegründet, alle leben ihr Leben, gehen einer Arbeit nach, sind zur Ruhe gekommen. Alle bis auf Michael. Er arbeitet unermüdlich an etwas, das ich leider nicht benennen kann, ohne zu spoilern. Es hat recht lange gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe, welche Rolle er nun einnehmen wird und es hat ihm als Charakter sehr geschadet. Michael mochte ich in den ersten beiden Bänden unheimlich gerne. Seine frische und fröhliche Art hat mir gefallen. In diesem letzten Teil hat er eine sehr große Veränderung durchgemacht und ist zu einem skrupellosen Mann geworden. Leider kann ich nicht weiter darauf eingehen. Sein Vorhaben ist zweifellos wichtig, doch wie er all das durchsetzt hat nicht zu dem Michael gepasst, den man in „Der Übergang“ kennen gelernt hat.

Und dann, bei der Hälfte des Buches, habe ich endlich wieder das „Übergang“-Feeling bekommen. Die Atmosphäre wird wieder düster, bedrohlich und tödlich. Michael, Peter und ihren Freunden wird klar, dass es noch nicht vorbei ist und dass sie alles tun müssen, um die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Ich habe wieder Gänsehaut bekommen, ich habe wieder mitgefiebert und ich habe gehofft, gebannt und auch geweint. Die Angst, um lieb gewonnene Charaktere ist zurückgekehrt und ich bin wieder komplett in der Handlung aufgegangen. Cronin hat mich an das Buch gefesselt und ich habe es wieder richtig geliebt.
Die Bedrohung ist deutlich durch das Buch zu spüren und da immer wieder die Gedanken von Fanning in der Geschichte auftauchen, ist auch klar, dass er sich bereit macht. Bereit, um einen vernichtenden Schlag auszuführen.

„Aus dem Nichts erschuf er diese Welt der Leiden, und zum Nichts wird sie zurückkehren.“ (S. 609)

Der Kampf und schließlich der Showdown haben mir den Atem geraubt. Cronin hat mit Fanning einen genialen Antagonisten geschaffen, der angetrieben von seinem Hass und der Wut, zu allem fähig ist. Er hat lange ausgeharrt, seine Schritte perfekt geplant und dann den Angriff gestartet.
Der Showdown war anders, als ich erwartet habe, hat mir aber dennoch gefallen. Es war nicht so emotional, wie ich es mir gewünscht habe aber es wäre wohl nicht authentisch gewesen, wäre es anders gekommen.

Doch der Showdown war noch nicht das Ende des Buches. Keine Frage, die ich mir gestellt habe, ist offen geblieben. Ich bin wirklich zufrieden aus dem Buch herausgegangen, weil ich mir über den Verbleib von allen Charakteren im Klaren gewesen bin. Nicht jeder Autor liefert immer diese Antworten, deshalb hat es mir besonders gut gefallen.
Auf den letzten 75 Seiten gibt es erneut einen letzten Zeitsprung, auf den ich sehr gehofft habe und ihn schließlich auch bekommen habe. Auch dieser Abschnitt hätte etwas kürzer gehalten werden können, aber Justin Cronin mag es ausschweifend zu erzählen und er hat eindeutig alle Charaktere perfekt ausgearbeitet.
Das Ende ist tatsächlich so ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe und trotzdem hat es sehr gut zu dem gesamten Epos gepasst. Es ist ein Ende, das mich sehr zufrieden zurück gelassen und mir sogar ein Seufzen entlockt hat.

„And he shall be called the Man of Days. For all the days he gave to humankind.“ (S. 932)

Fazit

Die Passage Trilogie hat einen würdevollen Abschluss gefunden. In „Die Spiegelstadt“ jedoch auch den schwächsten Teil der Reihe. Die Geschichte hat sehr viele Längen, braucht viel Anlaufzeit, um endlich in Fahrt zu kommen und der Fokus liegt weniger auf der Action, als auf Hintergrundgeschichten, die nur bedingt Einfluss auf die Handlung haben. Fanning wird als Antagonist sehr gut dargestellt und er ist mir als der „Bösewicht“ zwar nicht sympathisch, aber ich mochte ihn als Gegenspieler. Mit seinem Schreibstil übertrifft Cronin sich wieder selbst. Ich habe es wirklich genossen ein letztes Mal in diese Welt eintauchen zu können, auch wenn der letzte Band meinen hohen Erwartungen nicht gerecht werden konnte.


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