Der Inhalt:
Der Cirque des Rêves hat nur nachts geöffnet und reist von Ort zu Ort, von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent. Er zieht die Menschen wie magisch an, so dass sich sogar eine Gemeinschaft namens „Rêveurs“ gründet, die sich gegenseitig über das Auftauchen des Zirkus’ informieren und ihre Leidenschaft für diesen intensiven, sowie impulsiven Ort teilt.
Doch niemand ahnt, welche Illusion und Bedrohung unter diesem Schauspiel der Schönheit und Wunder verborgen liegt. Der Zirkus, einst geschaffen als Schauplatz eines Duells, kennt nur einen Sieger und kein Erbarmen. Zwei Zauberer haben sich unfreiwillig mit ihrem Leib daran gebunden und müssen ihn immer erweitern und immer die Oberhand gewinnen. Eine Zwickmühle, die niemand lösen kann. Irgendwann wird einer unterliegen und was passiert dann mit diesen Menschen anlockenden Faszinationen?- Möge der Bessere gewinnen!
Das gewisse ‘Etwas’?
Wieso fühlen sich relativ viele LeserInnen von „Der Nachtzirkus“ bezaubert? Was beschreibt oder hat Erin Morgenstern, was anderen Autoren fehlt?
Die Antwort ist recht einfach. Sie mischt viele unbekannte Variablen, die sie sich wie zufällig immer wieder berühren lässt, und schafft mit zunehmender Handlung immer intensivere Verknüpfungspunkte, die LeserInnen hautnah eine Entwicklung spüren lassen. Versucht haben dies sicherlich schon viele Schriftsteller und einige sind gescheitert. Hingegen Erin Morgenstern überzeugt durch weitere Elemente: Sie kombiniert ihre vielen Charaktere, die in unregelmäßigen Zeitsprüngen aus verschiedensten Blickwinkeln wahrgenommen und durchleuchtet werden mit ihrem feingliedrigem Schreibstil, der dieser Erzählung das Leben einhaucht.
Es betreten nicht nur von Erin Morgenstern erschaffene Figuren den Zirkus. Die Autorin spricht ihre LeserInnen direkt an und das an sich wäre nicht einmal nötig gewesen, um sich dermaßen von der Atmosphäre verzaubert zu fühlen.
Gelegentlich wünschte auch ich mir mehr Klarheit und war diese vermeintliche „Hinhaltetaktik“ leid, doch am Ende ergibt alles einen Sinn und ordnet sich einer recht schlichten Lösung unter, die ich so niemals erwartete. Dieses subtile Finale stellt quasi den Gipfel der zuvor schon herrschenden Authentizität dar.
Der große Gewissenskonflikt
Welche Strategie verwendet diese talentierte Autorin außerdem?
Erin Morgenstern führt ihre LeserInnen in einen Gewissenskonflikt. Dieser äußert sich in den beiden Protagonisten Celia und Marco. Wie bereits erwähnt, werden sämtliche Charaktere aus allen nur erdenklichen Perspektiven gezeichnet und so fiebert man gleichermaßen mit Celia und Marco mit, obwohl das Wesen der Handlung darin liegt, dass die beiden in einem unvorstellbarem Rahmen ein Duell austragen und Feinde sind. Auf diese (manipulative) Art und Weise gibt es kein eindeutiges Abstecken/Eingrenzen von Gut und Böse.
„Der Nachtzirkus“ lebt von seinen Nebenhandlungen mitunter stärker, als von seiner Haupthandlung. Wenngleich ich meistens das Gefühl hatte, dass die Haupthandlung noch peripher präsent wäre, sind es vor allen Dingen die einzelnen Geschichtchen, die verknüpft im größeren „Universum“ mein Leserherz höher schlagen ließen.
Die beste Zirkusgeschichte aller Zeiten?
Leider kann ich inhaltlich nicht „en detail“ schildern, was einen als LeserIn erwarten wird, denn die Wirkung dieses Romans muss sich Schicht für Schicht von selbst entblättern. Allerdings wird nichts Ihre Vorstellungen ausreichend ausfüllen können, was auch nur annähernd der realen Erzählung Erin Morgensterns nahe kommt. Ich erwartete Etwas komplett anderes und bin dennoch positiv überrascht. „Eine Zirkusgeschichte, so etwas langweiliges will mir jemand als spannend verkaufen?“- Ja, das will ich. Selbst Menschen mit Zirkusaversionen könnte dieses Buch gefallen. Denn solch einen Zirkus hat noch niemand betreten. Solch ein Zirkus passt in kein Fantasiereich hinein. Solch ein Zirkus ist einmalig und muss selbst erlebt werden, um das Wirken der gesamten Darbietung und ihre Wunder zu verstehen.
Mein endgültiges Urteil:
Viele autonome Nebenhandlungen, die wie kleine Geschichten ihrem eigenem Tempo folgen, eigenständige Pfade beschreiten und dennoch die Geschichte der Haupthandlung beständig weitertragen, unterfüttern, verzieren und verstehen helfen, bilden zusammen mit atmenden Figuren und einem zu Tränen rührendem Schreibstil einen Roman, der mich durchweg an den Seiten kleben ließ. Meisterhaft. Ich las im Rahmen einer Leserunde dieses Werk, durch die ich wiederum auf ein paar (eher unbedeutende) Logikfehler aufmerksam gemacht wurde. Mich störten sie kein Stück, doch es gibt immer LeserInnen, die so etwas gar nicht vertragen. Deswegen weiß ich auch, dass manche den Schreibstil und den Handlungsverlauf Erin Morgensterns eher als „speziell“ bezeichnen würden und nicht alle mit dieser Art des Geschichtenschreibens konform laufen. Doch eine Leseprobe sollte genügen, um dem Abhilfe zu schaffen.
![stars5 Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern [Rezension]](http://m3.paperblog.com/i/35/358625/der-nachtzirkus-von-erin-morgenstern-rezensio-L-QiqHbU.jpeg)
Bewertung
Trailer:
Thematik:
Magie
Liebe
Rêveurs
Zauberei
Duell
Sieger-Verlierer
Magiepraktiken
Erzählungen
Talente
Schwarz und Weiß
Uhren
19. und 20. Jahrhundert
Allgemeine Buchinformationen:
Erin Morgenstern
Der Nachtzirkus
Roman
464 Seiten, € 19,99 [D]
Erschienen: 15.03.12
Zu „Der Nachtzirkus“ bei ULLSTEIN





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