
Autor: Katharina Hagena
Titel: Der Geschmack von Apfelkernen
Verlag: Kiwi
Erscheinungsort und -jahr: Köln 2008
Seitenzahl: 254
Preis: 8,95 € ISBN: 978-3-462-04149-1
Inhalt: Iris' Großmutter ist gestorben und dieser Anlass führt sie zusammen mit ihrer Mutter und den zwei Tanten in das Dorf der gemeinsamen Kindheit. Erinnerungen an die Großmutter werden wach, aber auch solche an vergessen geglaubten Freunde, an den verwilderten Garten und den Apfelbäumen, die manchmal unvorhergesehen zu blühen anfangen. Iris soll das Haus erben, eine Entscheidung, mit der wohl niemand gerechnet hat. Erst recht nicht sie selbst, die eigentlich in Süddeutschland als Bibliothekarin arbeitet. Sie nimmt sich eine einwöchige Auszeit vom Alltagsleben und streift durch die Zimmer des Hauses, um sich darüber klar zu werden, ob sie das Erbe antreten kann und will - und das dies für Erinnerungen wachruft.
Kritik: Der so viel gelobte und bald auch verfilmte Roman von Katharina Hagena hat beim Lesen verschiedene Gefühle aufkommen lassen. Zum einen: Langeweile. Romane, die eigentlich nur eine schon längst geschehene Vergangenheit aufarbeiten rauben mir manchmal die Nerven, zumal in diesem Fall viele Figuren auftreten, von denen ich nicht immer sofort wusste, wer denn eigentlich noch wer war. Nicht-chronologisches Erzählen und der häufige Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart strengten an. Das andere, ebenso starke Gefühl beim Lesen war die von Bildern hervorgerufene Bewegtheit.
Trotz anfänglicher Mühe, beinahe Widerwillen ("Wieso habe ich erst 30 Seiten gelesen und nicht schon 300?!"), schafft es die Autorin, Bilder heraufzubeschwören, die so intensiv sind, dass man sich ihnen nicht entziehen kann. Immer wieder aufgerufene Metaphern und Anspielungen regen nicht nur das Sehen an, sondern auch das Schmecken. Merkwürdig, aber manchmal hatte ich beim Lesen das innige Verlangen in einen Apfel zu beißen - oder Johannesbeeren zu pflücken! Ich war verblüfft, wie es passieren kann, dass etwas, zu dem ich nur schwer Zugang fand, auf einmal so erlebbar werden kann. Ein Hoch auf die erzählende Sprache!So hat Der Geschmack von Apfelkernen es irgendwie doch noch geschafft, mich zu fesseln. Zudem entwickelt sich die Gegenwartsgeschichte um Iris zu einer (zwar nebensächlichen) amüsanten Liebeskomödie, die den manchmal nicht ganz einfach zu verdauenden Blick in die Vergangenheit auflockert.







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