Ressort Gesellschaft

Das Internet trägt Schwarz: der Blackout Day ist vorbei, Kampf gegen SOPA geht weiter

Erstellt am 19. Januar 2012 von Denkmaschine

Gestern gab es im Internet weltweite Proteste gegen den SOPA, der es amerikanischen Firmen wie Warner Brothers oder Emi erlauben soll Webseiten im Netz zu blockieren und zu beschlagnahmen die Urheberrechtsverletzungen begehen. Gut 7000 Webseiten wurden auf der Webseite sopastrike.com registriert. Ingesamt dürften sich aber noch wesentlich mehr Webseiten am Protest beteiligt haben.

An vorderster Front kämpften gestern Webseiten wie Wikipedia, Worpdress, Reddit, BoingBoing, Wired, um nur einige zu nennen, gegen den SOPA. Selbst Suchmaschinengigant Google hat auf der Landingpage darauf hingewiesen und sich für ein freies Internet ohne Zensur stark gemacht. Auch Facebook Gründer Mark Zuckerberg hat sich als SOPA-Gegner geoutet und veröffentlichte auf seiner Facebook Seite ein Statement zum Thema. Facebook wäre vom SOPA auch stark betroffen und müsste sogar damit rechnen, dass die Seite abgeschaltet wird..

Mark Zuckerberg: “Die Welt braucht mehr Politiker die für das Internet sind”

Das Internet trägt Schwarz: der Blackout Day ist vorbei, Kampf gegen SOPA geht weiter

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg schreibt folgendes: “Das Internet ist das mächtigste Werkzeug das wir haben um eine offenere und vernetztere Welt zu gestalten. Wir können es nicht erlauben, dass unausgereifte Gesetze den Weg des Internet in die Zukunft verhindern. Die Welt braucht mehr Politiker die für das Internet sind. Wir haben monatelang mit Politikern zusammengearbeitet um bessere Alternativen zu finden. Ich fordere sie auf sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihrem Kongressabgeordneten mitzuteilen dass sie möchten dass er sich für das Internet einsetzt.”

Musikindustrie hat ihren Kunden Filesharing beigebracht

Michael Mozart, Gründer von Jeepersmedia hat auf Youtube ein flammendes Videostatement veröffentlich, in der er die Doppelmoral der Musik- und Filmindustrie anprangert. Sein Standpunkt: Firmen wie CBS die den SOPA mit aller Gewalt durchboxen möchten haben ihre Nutzer “angefixt”- sie waren es, die damals das Filesharing erst möglich gemacht haben und ihren Nutzer die entsprechenden Programme verkauft haben, exakt dieselben Firmen die heute für den SOPA sind haben das Massenphänomen des Filesharing erst möglich gemacht.

Video: So machen es die Profidealer: erst die Kunden gratis anfixen undwenn alle abhängig sind wird fett abkassiert

Tools zum Filesharing direkt von der Quelle

Lange gab man den Nutzern viele nützliche Tips und entsprechende Tools für das Filesharing an die Hand. Als genug Nutzer auf den Filesharingzug aufgesprungen waren, gab es den grossen urnaround und man begann die “angefixten” Nutzer massenweise zu verklagen und sich als Wächter über die guten Sitten aufzuspielen. Ich kenne Michael Mozart nicht persönlich, nur- seine Argumente sind in der Tat bestechend und nicht von der Hand zu weisen. Er prangert auch an, dass die Industrie ihre Nutzer mit exorbitant hohen Schadenersatzforderungen in den persönlichen und finanziellen Ruin treibt.

Fall Tennenbaum: 675’000 Dollar für 30 Songs

Als Beispiel führt er den Fall von Joel Tennenbaum an- ein 16 jähriger Collegestudent der für das herunterladen von 30 Songs auf die unfassbar hohe Summe von 675’000 Dollar verklagt wurde. Jeder heruntergeladene Song wird von der Musikindustrie mit 22’500 Dollar verrechnet. Ein Download bei iTunes wäre deutlich billiger gewesen…Ich weiss nicht wie es ihnen geht aber anders als die Medienindustrie haben wohl die wenigsten Nutzer Milliarden auf ihrem Bankkonto um so einen unverschämt hohen Betrag mal eben aus der Portokasse zu bezahlen.

Teenager als Bauernopfer der Mediengiganten

Wir sind uns wohl einig: ein 16-jähriger Teenager ist einfach noch nicht in der Lage die Tragweite seines Handelns einzuschätzen. Ob Joel Tennenbaum seine Strafe je bezahlen könnnen wird? Wohl kaum und wie etliche andere verklagter Collegestudenten wird der arme Junge seine Schulden wohl mit ins Grab nehmen. Natürlich interessiert dass die Rechteinhaber herzlich wenig- schliesslich weiss doch jeder dass das herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten zu einer Strafvervolgung führen kann.

Janis Ian: Das Internet Debakel

Das Internet trägt Schwarz: der Blackout Day ist vorbei, Kampf gegen SOPA geht weiter

Eine Insiderin packt aus: Janis Ian's Artikel "Das Internet Debakel" erlaubt tiefe Einbllicke hinter die Kulissen der US- Musikindustrie (www.janisian.com)

An dieser Stelle möchten wir auch auf den Artikel “Das Internet Debakel” von Janis Ian hinweisen. Die US-Songwriterin die für ihre Songs”At 17″ und “Society’s Child” einen Grammy bekam, veröffentlichte 2003 einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema Filesharing. Der brisante und auch heute noch hochaktuelle Bericht gibt uns wertvolle Einblicke aus der Sicht einer Insiderin. Sie deckt die Doppelmoral der grossen Medienunternehmen auf und zeigt anhand von Beispielen auf, dass die Künstler erst dank dem Internet in der Lage sind ein Millionenpublikum anzusprechen und dass sie dadurch auch wesentlich höhere Einnahmen erzielen können.

Der Einnahmenkuchen ist grösser als jemals zuvor

Der Einnahmenkuchen ist dank dem Internet enorm gewachsen, nur muss er Kuchen heute auch unter wesentlich mehr Parteien aufgeteilt werden.Heute kann jeder Blogger Filme, Musik Bücher und Software über ein iTunes oder Amazon oder ein anderes Partnerprogramm verkaufen und bekommt dafür eine Beteiligung an den Einnahmen. Gerade die Beispiele iTunes und Amazon zeigen, dass es möglich ist mit Filmen, Musik und Software hohe Gewinne zu machen.

Die wahren Absichten hinter dem SOPA

Die Film- und Musikindustrie hat sich viel zu lange gegen das Internet gesträubt und den Anschluss komplett verpasst. So ist die heutige Diskussion rund um SOPA und Piraterie von Inhalten auch ein zwischen “New” und “Old Economy.” Heute haben die Rechteinhaber eigene Shops im Internet und ihre Verkaufszahlen sehen nicht so schlecht aus wie das immer wieder behauptet wird. Derzeit steigen auch die Einnahmen an den Kinokassen wieder und wenn das Internet tatsächlich die Branche zerstören würde gäbe es weder diese Shops noch eine Industrie, die nun versucht die Kontrolle und Hoheit über das Internet zu übernehmen.

Kontrolle über alles und jeden

Das ist nämlich die wahre Absicht die dem SOPA steckt. Es der Film- und Musikindustrie darum, zu kontrollieren wer welche Inhalte vertreibt, wer was über die Unternehmen sagt um dann notfalls den Kritikern den Mund zu verbieten. Das sind die wahren Absichten hinter dieser Initiative. Die Befugnisse, die sich die Rechteinhaber mit SOPA/PIPA einräumen möchten, sind derart weitreichend dass einem Angst und Bange wird, auch wenn man überhaupt nichts mit Filesharing am Hut hat.

Die Welt, Ulrich Clauss: eine Verrechtlichung des Internet muss möglich sein

Ulrich Clauß der Welt seztzt sich dagegen für mehr Kontrolle im Netz ein und schreibt in seinem Artikel “stoppt das Guantanamo Gesetz für das Internet: “Eine Verrechtlichung des Internets muss möglich sein, ohne bewährte Grundsätze von Meinungs- und Informationsfreiheit zu verletzen.” Eine Antwort, wie diese  ”Verrechtlichung” aussehen soll und wer diese “Verrechtlichung” làsst Clauß allerdings offen.

Es gibt ausreichend Gesetze gegen Piraterie

Diese beiden Interessen unter einen Hut zu bringen ist eine praktisch unlösbare Aufgabe denn sie stehen sich praktisch diametral entgegen und es gibt auch heute schon ausreichend griffige Gesetze die es Rechteinhabern erlauben, Urheberrechtsverletzungen zu verfolgen, wir erinnern wieder an den Fall Joel Tennenbaum und das Video von Michael Mozart zum Thema Filesharing. Eine weltweite Harmonisierung der bestehenden Gesetze tut hier viel mehr Not.

Piraterie in fast allen Ländern strafbar

Die Piraterie von urheberrechtlich geschütztem Material ist sowieso in fast allen Ländern strafbar und da das Netz international und dementsprechend sollten auch die Gesetze angepasst werden. Wir können es nicht zulassen, dass unser aller Internet durch ein paar unausgegegorene Gesetze von Kongressabgeordneten faktisch zerstört wird. Diese Kongressabgeordneten verstehen die Technik hinter dem Internet gar nicht. Immerhin haben nun schon einige ehemalige SOPA-Befürworter ihre Unterstützung für das Gesetz zurückgezogen.

SOPA verliert ehemalige Befürworter

Sie haben nun verstanden, wie brandgefährlich der SOPA für das Internet und die Meinungsfreiheit wäre. Wir sind der Meinung dass Verbote sinnlos sind. In In China sind viele Blogger und Journalisten über die ganzen Debatten in den USA und anderswo amüsiert. Michael Anti, wie er sich nennt, ein chinesischer Journalist und Blogger: ”Nur eine amerikanische Firma wie Wikipedia kann so protestieren, eine chinesische Firma würde damit nicht davonkommen. Nun kopiert uns die amerikanische Regierung und baut eine eigene Firewall”.

Chinesen sind amüsiert über die Debatte

Das Internet trägt Schwarz: der Blackout Day ist vorbei, Kampf gegen SOPA geht weiter

Jason Ng ist ein chinesischer Techblogger

Das meint ein anderer Microblogger im Artikel der L.A Times zum SOPA Blackout. “Ich verstehe diese Aufregung um das Blackout von Wikipedia überhaupt nicht. Bei uns ist Wikipedia seit Jahren im Streikzustand. Wer setzt sich für unsere Menschenrechte ein? Die Frage ist absolut berichtigt. Jason Ng, ebenfalls ein ziemlich bekannter Blogger in China erklärt: “Die grosse chinesische Firewall blockiert keine Webseiten die urheberrechtlich geschütztes Material verbreiten. Das Internet in China ist voll von Filmen, Fernsehserien und Pornos. Wenn die chinesische Regierung das unterbinden würde, hätte sie ein ernsthaftes Problem.”

öffentliche Debatte in China undenkbar

Anders als China wo solche Gesetzesinitiativen hinter verschlossenen Türen entschieden werden wird in den USA öffentlich darüber debattiert und jeder kann seine Meinung dazu kundtun ohne Angst vor Verfolgung haben zu müssen. Wer in China die Regierung kritisiert, muss mit ernsthaften Folgen rechnen und kann dafür jahre seines Lebens im Gefängnis verbringen. So weit sind wir in den USA und Europa gottseidank noch nicht.Die ganze Debatte rund um SOPA ist trotz dem Spott der Chinesen sehr wichtig.

Die freie Welt steht am Rande des SOPA-Abgrunds

Derzeit stehen wir an einem Scheideweg der über die Zukunft des Internet und über die Zukunft von Millionen von Menschen entscheiden wird denn nun entscheidet sich, ob die Interessen von ein paar Mediengiganten wichtiger sind als die Meinungsfreiheit der freien Welt. Nochmal, es sind teilweise die gleichen Unternehmen die ihre Nutzer erst mit dem Filesharing vertraut gemacht und sie dazu ermutigt haben haben urheberrechtlich geschütztes Material herunterzuladen die sich heute für den SOPA stark machen.

Fall O’Dwyer als mahnendes Beispiel

Sehr zu denken geben sollte uns der Fall des Briten Richard O’Dwyer. Ein Richter hat entschieden, dass der 23 jährige Student an die USA ausgeliefert werden darf. O’Dwyer hatte eine in den USA registrierte Webseite mit Links zu urheberrechtlich geschütztem Material betrieben hat. Im Falle einer Auslieferung drohen im bis zu fünf Jahre Gefängnis. Wohlverstanden, er hat kein Urheberrechtlich geschütztes Material verkauft oder gehostet sondern wie Google lediglich Links zu entsprechenden Seiten auf seiner Webseite platziert.

5 Jahre drohen dem 23 jährigen Studenten in den USA für sein

Richard O'Dwyer und seine Mutter kommen gerade aus der Anhörung im Gerichtssaal von Westminster (Bild-bbc.co.uk)

 

Die USA braucht mehr Gefängnisse für Studenten wie Richard O’Dwyer

Wenn dieser krasse Fall Schule macht, dürfen sich die US-Bauunternehmer freuen. Um alle Webseitenbetreiber, die Links zu urheberrechtlich geschützem Material verbreiten, müssten einige neue Gefängnisse gebaut werden. Der Fall von Richard O’Dwyer ist ist schockierend und als halbwegs politisch gebildeter Bürger kann man kaum glauben was hier gerade passiert. Wenn es so weitergeht driften die USA langsam ab in Richtung eines totalitären Regimes dass die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt. Eines ist sicher: der Zweck heiligt keineswegs immer die Mittel!

Bewusstsein gegen SOPA muss weiter wachsen

Wir müssen den SOPA unbedingt stoppen, das steht ausser Zweifel. Deshalb bitte ich Sie als Leser sich gegen den SOPA auszusprechen. Nehmen sie mit ihrem Landtags- oder Kongressabgeordneten Kontakt auf und erklären sie ihm dass sie mit dieser Politik nicht einverstanden sind. Machen sie Druck wo immer es möglich ist. Gehen sie auf die Strasse und protestieren sie gegen SOPA.

Organisieren sie sich gegen den SOPA

Organisieren sie sich mit Gleichgesinnten- im Internet gibt es unzählige Gruppen die gemeinsam gegen den SOPA kämpfen. Erzählen sie ihrer Familie und ihren Freunden, ihren Nachbarn was der US-Kongress und die US-Medienindustrie vorhaben. Boykottieren sie die Produkte der SOPA Befürworter wo möglich bis SOPA gestoppt wurde und wenn sie doch bei diesen Unternehmen einkäufen müssen- kaufen sie nur unter Protest ein und machen im Geschäft auf diese geplanten Menschenrechtsverletzungen aufmerksam. Machen sie Druck gegen SOPA wo immer möglich! Es gibt unzählige Möglichkeiten sich dagegen zu engagieren.

“grösste Katastrophe in der Geschichte des Internet”

Was sich hier anbaht ist die allergrösste Katastrophe in der noch jungen Geschichte Unseres Internet. Das Internet gehört uns allen und doch niemandem und wir können es unter keine Umständen zulassen dass sich ein paar geldgeile Unternehmen als Herrscher und Richter über die gesamte noch freie Welt aufspielen. Die USA waren einmal das Land der Freiheit und Demokratie- dass nun ausgerechnet aus den USA eine derart fatale und weitrechende Gesetzesinitive kommt ist eigentlich kaum zu glauben.

Erlauben sie uns noch eine letzte Schlussbemerkung:

Wir vom Denkmaschinen-Blog hatten nie vor, politisch für oder gegen etwas aktiv zu werden und sie werden im Blog deshalb auch kaum Artikel zum Thema Politik finden. In erster Linie soll sich das  Blog mit dem Thema Technik beschäftigen. Hier vermischt sich aber ein technisches Thema mit der Politik und diese Gesetzesinitiative lässt uns schlicht keine Wahl als dass wir uns dagegen engangieren. Jeder der ein gewisses demokratisches Grundverständnis und eine politische Grundbildung hat wird einsehen, dass SOPA zu weit geht.

Aus diesem Grund setzen wir uns für ihre und unser aller Freiheit ein. SOPA ist menschenverachtend und verstösst gegen die UN-Menschenrechtscharta und auch gegen den ersten Verfassungzusatz der USA.

Deshalb muss dieses Zensur und Kontrollgesetz, das dem Internet enormenSchaden zufügen würde mit aller Macht bekämpft werden. STOP SOPA!

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