Gebundene Ausgabe: 576 SeitenHerausgeber: Diana VerlagErscheinungsdatum: 24. Oktober 2011Leseprobe Dieses Buch kaufen?Frankreich 1567: Ein neuer Krieg zwischen Protestanten und Katholiken steht in einem großen Teil Europas bevor. Die Stimmung der Bevölkerung ist aufgepeitscht, Angst breitet sich aus und Vertrauen und Nächstenliebe wird den Menschen sehr bald fremd. Mitten in diesem blutigen Konflikt befindet sich die 19-jährige Madeleine. Vor Jahren ist sie mir ihrer Mutter nach dem Tod ihres Vaters aus Gründen, die sie nie erfahren hat, aus Deutschland nach Frankreich getürmt. Doch nicht nur die Tatsache, dass sie für die Franzosen als "Ausländerin" gilt, erschwert Madeleines Leben. Denn sie hat die Gabe, die Zukunft zu sehen! Von ihrer Mutter eingeschärft bekommen, niemals auch nur ein Wort über diese Gabe zu verlieren, spricht Madeleine mit niemandem darüber. Sie lebt in ständiger Furcht, ihr Geheimnis könnte aufgedeckt und sie als Hexe verbrannt werden. Doch es kommt anders: Während eines Botengangs, für das Kloster, indem sie nach dem Tode ihrer Mutter lebt, trifft Madeleine auf zwei Hugenottenführer und sieht einen blutigen Anschlag auf beide vorher. Sie warnt sie und begibt sich dabei in allergrößte Gefahr. Den in den Augen der Katholiken, hätten beide sterben müssen. Madeleine findet bei den Hugenotten, Unterschlupf, doch es gelingt den Katholiken, sie gefangen zu nehmen und zu foltern. Ausgerechnet Catherine de Medici, die Königinmutter, befreit sie aus dem Kerker. Denn sie hat einen ganz besonderen Auftragt für Madeleine. Um diesen auszuführen, muss sie nicht nur die Protestanten, die sie so liebevoll aufgenommen haben verraten, sondern allen voran Nikolas de Vardes, den Mann, in den sie sich verliebt hat!
Da mich der Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten nun schon seit geraumer Zeit brennend interessiert, hatte ich hohe Erwartungen an "Das Mädchen mit dem zweiten Gesicht". Ich versprach mir eine gut recherchierte Handlung, die von der ersten bis zur letzten Seite spannend ist und mich in die Welt des 16. Jahrhunderts entführt. Zusammen mit der Liebesgeschichte zwischen Madeleine und Nikolas konnte eigentlich nichts mehr schief gehen, dachte ich. Was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht! Im Gegenteil: Der Roman hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen!
Der Einstieg in den Roman fiel mir sehr leicht. Die bildhafte Darstellung der Gedanken und Gefühle Madeleines lies die Geschichte vor meinen Augen lebendig werden und ich konnte mich voll und ganz in ihrer Welt fallen lassen. Nicht zu letzt lag das auch an dem Schreibstil der Autorin allgemein. Dieser ist unheimlich dicht und trumpft durch ein hohes Erzähltempo auf. Dennoch macht die Sprache den Eindruck, als könne sie der, der damaligen Zeit durchaus gerecht werden. Allerdings wirkt sie nicht altertümlich und hält den Lesefluss daher in keinster Weise auf.
Ich war ziemlich überrascht, dass der Roman so viel Spannung aufweisen konnte. Ein aufregendes Ereignis jagte das andere. Zu keinem Zeitpunkt empfand ich Passagen des Roman als langatmig oder gar unnötig. Neben diesen spannenden Elementen, sie nicht minder oft einen bedeutsamen Wendepunkt in Madeleines Schicksal darstellen, kommen auch die romantischen und zärtlichen Aspekte der Geschichte nicht zu kurz. Die Liebesgeschichte zwischen Nikolas und Madeleine entspinnt sich ganz zart, sodass man die Gefühle der beiden, sie sie für einander hegen wunderbar nachempfinden kann. Die Liebesszenen zwischen den beiden werden sehr gefühlvoll und umsichtig beschrieben, sodass man vorallem Nikolas mit der Zeit immer mehr ins Herz schließt.
Dennoch muss ich sagen, dass alle Charaktere des Romans sehr tiefgründig sind. Vorallem natürlich Madeleine, denn über ihren familiären Hintergrund erfährt man im Laufe der Geschichte so einiges. Sie wirkt zu keinem Zeitpunkt oberflächlich, da man ihr Handeln meist sehr gut nachempfinden kann und ihre Persönlichkeit nicht seicht oder oberflächlich bleibt. Dadurch, dass einige Kapitel auch aus Nikolas Sicht geschrieben sind, wird auch er für den Leser immer greifbarer und dadurch sympathischer. Selbst die Nebencharaktere erschienen mir, dank der detaillierten Beschreibung, sehr farbenfroh und keinesfalls oberflächlich. Ein großes Kompliment an die Autorin. Dadurch wurde der Roman nämlich richtig authentisch.
Authentisch geschildert waren auch die "Visionen" von Madeleine. Sie wirkten nicht übertrieben und nahmen auch nicht allzu viel Platz im Roman ein. Natürlich bilden sie trotzdem Schlüsselereignisse des Romans und waren maßgeblich an dem Verlauf der Handlung beteiligt. Sie lassen den Roman allerdings nicht unecht wirken.
Besonders eindrucksvoll sind auch die Schilderungen der Gewaltszenen. Diese sind zwar nicht allzu makaber, dennoch haben sie bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, da die Athmosphäre in diesen Szenen ganz besonders dicht und greifbar wirkte. Als Leser fühlte ich mich wie mitten ins Geschehen hineingezogen.
Positiv in Erinnerung geblieben ist mir auch die gute Recherche. Durch die Verweise im Nachwort wird diese umso deutlicher. Denn dort finden wissbegierige Leser viele Hintergrundinformationen zu damaligen Zeit. Außerdem wird auch deutlich, inwiefern der Roman auf wahren Begebenheiten beruht. Natürlich sind nicht alle Geschehnisse historisch fundiert (allen voran Madeleines Visionen) allerdings basiert der Roman ansonsten sehr stark auf historischen Tatsachen.
Abschließend kann ich nur sagen, dass ich diesen Roman jedem empfehlen kann, auch wenn er sich nicht wirklich für den Glaubenskrieg interessiert. Denn "Das Mädchen mit dem zweiten Gesicht" hat so viel mehr zu bieten als knallharte historische Fakten. Wer zudem allerdings auch noch Interesse an den Geschehnissen der Bartholomäusnacht hat, der darf sich diesen Roman keinesfalls entgehen lassen! Von mir gibt es daher ganz klar 5 Sterne. Ich werde mich zudem auch nach weiteren Romanen der Autorin umsehen, da mich der Schreibstil wirklich begeistert hat.

Ein herzliches Dankeschön an den Diana Verlag für die Bereitstellung dieses wundervollen Rezensionsexemplares!











Kommentar schreiben