
Broschiert: 256 Seiten Herausgeber: Planet Girl Erscheinungsdatum: 5. Januar 2012 Leseprobe
Die Ankunft in der St. Anna Klinik in Berlin ist für die angehende Ärztin Lena der Beginn des wahren Lebens. Zusammen mit ihren neuen Freundinnen Isa und Jenny, mit denen sie seit kurzem in einer WG wohnt, wird Lena ihr Praxisjahr an diesem Lehrkrankenhaus absolvieren. Lena rückt ihrem Traum, als Ärztin Leben retten zu können, einen grüßen Schritt näher und es könnte auch alles bestens sein, wären da nicht herrische Schwestern, die unterschiedlichsten Patienten und ein unterkühlter Oberarzt, der aber eigentlich auch ganz nett sein kann, wie Lena später herausfindet... Zum Glück muss Lena den Klinikstress nicht alleine bewältigen. Neben ihren Freundinnen ist da nämlich auch noch Ruben, der Kantinenkoch, der für jede Lebenslage das perfekte Essen parat hat. Aber auch außerhalb der Klinik haben die drei mächtig viel Spaß und erobern nicht nur die Partyszene Berlins sondern auch jede Menge Männerherzen.
Da Antonia Rothe-Liermann eine Co-Autorin der Drehbücher für "Doctor's Diary" ist, eine humorvolle Ärzteserie, die ich früher unglaublich gerne geschaut habe, stand für mich schnell fest, dass ich "Miss Emergency" unbedingt lesen muss. Ich muss allerdings sagen, dass TV-Serie und Roman - bis auf den Handlungsort und die ewigen Liebeswirrungen - nicht viel gemeinsam haben. Dennoch hat mich "Miss Emergency" erstklassig unterhalten.
Die Protagonistin Lena und ihre beiden Freundinnen ergänzen sich wirklich perfekt. Jenny ist eine Partymaus, die auf den Gästelisten jeder noch so angesagten Party steht und einen enormen Männerverschleiß hat. Sie hat jede Woche ein neues Opfer, dem sie aber schnell überdrüssig wird und es für einen anderen Mann sitzen lässt. Isa ist anfangs ein sehr eingeschüchtertes, stilles Mädchen, das dem typischen Klischee eines Mauerblümchens entspricht. Sie lernt viel, redet dafür kaum und bekommt kein Wort heraus, wenn der Chefarzt ihr bei der Visite eine Frage stellt. Lena hingegen ist der Ausgleich zwischen den beiden. Sie macht zwar gerne zusammen mit Jenny die Partyszene Berlins unsicher, weiß aber, wann es genug ist und kann sich ebenso wie Isa auch mal für einige Stunden nur zum Lernen zurückziehen. Sie ist der perfekte Ausgleich zwischen ihren beiden Mitbewohnerinnen und schafft es oft, ihren Mädels das extreme Verhalten ein bisschen auszureden.
Wie man wohl an der Beschreibung der Mädels schon merkt, sind vorallem Isa und Jenny extrem klischeebehaftet. Vorallem bei Isa wird das dadurch nur noch deutlicher, dass sie von Lena in Gedanken immer "unser Häschen" genannt wird. Das kann einem mit der Zeit schon wirklich auf die Nerven gehen, dass dieses stereotype Verhalten, sowohl von Jenny, als auch von Isa, teilweise wirklich übertrieben stark durchzogen wird und dem Roman somit ein wenig die Authentizität nimmt. Auch Lena wirkte auf mich leider nicht immer so sympathisch, wie ich mir das (ganz im Stil vom Gretchen Haase aus "Doctor's Diary") gewünscht hatte. Sie ist oft ziemlich egoistisch und selbstbezogen und wirkt meiner Meinung nach in ihren Äußerungen manchmal fast schon überheblich und arrogant. So richtig ins Herz schließen konnte ich Lena leider nicht.
Dafür ist die Handlung des Romans aber sehr unterhaltsam. Vorallem die Tatsache, dass sie sehr abwechslungsreich ist, hat mir gut gefallen. Der Leser lernt nicht nur das Alltagsleben in der Klinik kennen, sondern erlebt mit Jenny, Isa und Lena auch einige Abenteuer, sowohl im Partyleben Berlins als auch auf Ausflügen in die Natur, die weniger erfreulich enden ;). Besonders spannend war für mich aber natürlich die Entwicklung des Liebeslebens der Dreien. Jennys gestaltet sich als recht eintönig, da ihre Freunde so oft wechseln, dass man kaum mitkommt und die Autorin uns glücklicherweise eine detaillierte Beschreibung der zig Männer erspart. Aber sowohl Isas als auch Lenas Liebesleben sorgt für viel Chaos in der WG und gibt dem Roman ein Stück der durch die Charaktere verloren gegangenen Authentizität zurück, da die Schilderung der Emotionen - vorallem die von Lena - sehr realistisch und gefühlvoll ist. Bis zum Schluss habe ich mit Lena mitgefiebert und konnte mir einfach nicht denken, welcher Mann letztendlich ihr Herz erobern wird!
Besonders gut gefallen haben mir aber die Szenen in der Klinik. Zwar kann ich zum Ärztejargon nicht viel sagen, da ich mich da nicht auskenne, für einen Laien wirkte das aber alles sehr gut recherchiert und trotzdem nicht langweilig oder zu genau beschrieben. Die abwechslungsreichen Patienten, die alle ganz andere Persönlichkeiten und Eigenschaften hatte, haben den Roman aufgelockert und die Visiten haben mir immer besonders gut gefallen. Ruben habe ich total in mein Herz geschlossen. Er ist so herzensgut und bemüht sich immer wieder um Lenas Wohlbefinden, in dem er ihr für jede Lebenslage das passende Essen zubereitet. Ob gegen Liebeskummer oder einen Kater, Ruben weiß, was hilft!
"Miss Emergency" wird mit dem nötigen Witz erzählt, sodass die teilweise sehr dramatische Handlung im Krankenhaus nicht zu trist und düster wirkt. Leider wirkten einige Witze teilweise etwas flach und konstruiert. Zusammen mit den stereotypen Charakteren und einer, für meinen Geschmack (!), manchmal nicht sehr sympathischen Protagonistin, ist das aber auch der einige Kritikpunkt, den ich äußern möchte. Der Roman bietet eine Perfekte Abendunterhaltung und eine willkommene Abwechslung vom eintönigen Fernsehprogramm. Tatsächlich liest sich der Roman aber wie eine Fernsehserie, so plastisch und detailliert ist das Bild, dass ich beim Lesen im Kopf hatte. "Miss Emergency" ist eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre für zwischendurch. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt und kann das Buch nur weiterempfehlen. Suchtpotential stellt sich allerdings - wie man das von TV-Serien auch kennt - schon nach dem ersten Teil ein. Macht euch also darauf gefasst, dass ihr sofort mit dem zweiten Teil weiterlesen wollt ;)!












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