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Ambroxan - über Tintenfische & den Wal

Von Aroma

Oder die einfache Frage, wie Jona der Prophet wohl roch?

Doch bevor ich hier weiterschreibe koche ich mir einen Tee - heute ist Blogschreiben live - und ich sage gleich vorweg, das es hier nicht um die Nennung irgendwelcher Düfte geht. Mir scheint nämlich, daß sich viele Menschen ganz komische Vorstellungen von dem machen, was mit Amber, Ambra, Ambra grisea (Grauer Amber), Bernsteinöl oder Ambroxan umschrieben wird. Letzteres ist auch nur eins von vielen Chemicals die so riechen (sollen) wie der sagenumwobene Stoff aus dem Wal. Der Begriff Amber läßt jedenfalls viel Raum für Halbwissen, Spekulationen, Vorstellungen und jede Menge Rohstoffkunde. Von Bersteinöl über Styrax Amber (ein Baumharz), bis hin zu orientalischen Duftmischungen die diesen Namen tragen (und die natürlich nicht aus nur einem Rohstoff bestehen) und Ambroxan, gibt es jede Menge Geschichten und die können recht vergnüglich sein. Mal schauen was der Tag noch so bringt.

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Es ist bestimmt nicht angenehm von einem Wal verschlungen zu werden und ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wohl im Innern des Tieres riecht; der arme Jona hatte viel auszuhalten. Zuerst ruft der Herr aus dem Himmel runter und befiehlt, daß man (also Jona) den Bürgern der Stadt Ninive gut zureden, eins predigen soll, weil deren Bosheit Gottvater im Himmel oben in den Ohren klang. Dumm nur, daß man derlei Aufträge nicht mal ablehen kann, ohne das gleich ein schwerer Sturm aufkommt, ein Schiff in Seenot gerät, ein Mann (Jona) über Bord geworfen wird und im nächsten Augenblick ein dicker Fisch das Maul aufreißt. Einfach entsetzlich. Und dabei hat die Geschichte nicht einmal ein gutes Ende. Dem Jona geht sogar der schattenspendende Rizinus hinterm Haus wieder ein und irgendwie weiß man nicht so recht was man von Gottes Gnade halten soll. Eins scheint mir aber wichtig - was ein Wal verschluckt, kommt vorne oder hinten wieder raus und es ist fast immer von Interesse.

Herman Melville widmete in seinem MOBY DICK dem Grauen Amber ein ganzes Kapitel.

Dieser graue Amber ist wirklich ein sehr merkwürdiger Stoff und ein so bedeutender Handelsartikel, daß im Jahre 1791 ein gewisser aus Nantucket gebürtiger Kapität Coffin vor den Schranken des englischen Unterhauses feierlich darüber befragt wurde. Denn damals und sogar noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit zerbrachen sich selbst die Gelehrten vergeblich den Kopf, woher sowohl der graue Amber als auch der bekannte gelbe Amber, der Bernstein, stammen mögen. Die Bezeichnungen für diese beiden Stoffe in den drei wichtigsten Sprachen - englisch: ambergris und amber; französisch: ambre gris und ambre jaune; deutsch: grauer Amber und gelber Amber - bringen sie in einen Zusammenhang, der in Wahrheit gar nicht besteht. Denn der gelbe Amber (Ambra oder Bernstein) wird zwar bisweilen an der Meeresküste gefunden, ist jedoch auch schon tief im Binnenlande geschürft worden, während der graue Amber ausnahmslos nur auf der See schwimmend vorkommt. (..) Der graue Amber dagegen ist weich, wachsartig, und so stark duftend und würzig, daß er eine hervorragende Rolle bei der Herstellung von Parfumerien spielt.

aus: H. Melville MOBY DICK oder Der Wal (Grauer Amber)

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Was hat es mit diesem Grauen Amber, dem Amber grisea, nun auf sich? Warum ist dieses Zeug so berühmt und warum meinen alle Leute in ihrem Amberparfums größere Mengen Pottwalkotze haben zu müssen? Die Vorstellung scheint ja besonders lecker zu sein. Doch was, wenn es dem Wal nicht vorn sondern hinten wieder rauskommt? Na egal, tauchen wir erst einmal ab und schauen uns an, was ein Pottwal so treibt.

Dieser Wal, bei den Engländern von alters her bekannt als der sagenhafte Trumpa-Wal, Physeter-Wal oder Amboßkopf-Wal, ist der heutige Cachalot der Franzosen, der Pottfisch der deutschen, der Sperm Whale der Engländer und Amerikaner und der Makrocephalus der gelehrten Freunde langer Wörter. Er ist zweifellos der gewaltigste Bewohner des Erdballs, im Kampf der schrecklichsten aller Wale (…)

aus: H. Melville MOBY DICK oder Der Wal (Zoologie der Wale)

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Dieser Wal ist also ein ganz entsetzliches Ungeheuer und ein großer Kämpfer und wenn er Hunger hat, dann legt er sich nicht mit Shrimps an sondern sucht sich würdige Gegner. Große Tintenfische - am liebsten Riesenkalmare (Kopffüßer) - die er in großer Tiefe jagt.

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Und genau diese Tintenfische lassen sich nicht so mir nichts, dir nichts runterschlucken. Die kämpfen richtig und sie haben furchtbare Waffen. Klauenbesetzte Saugnäpfe bohren sich dem Wal ins Fleisch und lange Tentakel legen sich ihm um den Kopf. Damit noch nicht genug. Die scharfen Zähne und die Schnäbel der Tintenfische sind unverdaulich und zu allem Überfluß verfangen sich die Teile auch noch in der Magenwand des Wals. Kein Wunder das der so schlechte Laune hat und sogar Schiffe angegriffen haben soll.

Doch als hätte Moby Dick mit der boshaften tückischen Verschlagenheit, die man ihm nachsagte, die Kriegslist durchschaut, warf er sich mit einem Ruck herum und schoß sein Faltenhaupt der Länge nach unter das Boot. Jede Planke, jede Rippe schütterte, bis ins Innerste erbebte das Boot, als der Wal, schräg auf dem Rücken liegend wie ein zubeißender Hai, den ganzen Bug bedachtsam und genießerisch zwischen die Kiefer nahm.

aus: H. Melville MOBY DICK oder Der Wal (Der Kampf - Erster Tag)

Der Wal hat also einen Tintenfisch gefressen und nun hängen ihm die Klauen der Saugnäpfe und der Schnabel des Mauls in der Magenwand. Keine schöne Vorstellung und irgendwie muß das Zeug da raus. Zu diesem Zweck bildet sich im Magen des Wals eine Fettschicht, welche die unverdaulichen Reste bindet. Unklar ist eigentlich nur, wie der Klumpen wieder aus dem Wal herauskommt. Allgemein angenommen wird die Theorie, der Pott würde das Zeug herauswürgen (wie eine Katze die Haare), doch es kann auch gut sein, daß die Masse erst noch durchs Gedärm wandert. Genaues weiß man nicht, weil noch niemand dabei war. Jetzt treibt aber dieser Klumpen aus Tintenfischresten und anderen Mageninhalten des Pottwals auf dem Meer (weil er nicht unter geht). Da scheint die Sonne drauf, mal regnet es und mal platschen die Wellen drüber. Da geht es durch diese oder jene Strömung und mit etwas Glück landet das Zeug an einem Strand, wo es von Menschen gefunden wird. Es riecht gar nicht mal so übel, wie man jetzt vielleicht denken mag. Erinnert aber nicht an Fisch, wenig an Meer, und stinkt nicht so unangenehm wie andere animalische/ fäkale Duftstoffe. Es ist eher ein unscheinbarer Duft der etwas Balsamisches hat. Amber gris riecht etwas erdig/ muffig, leicht animalisch und erinnert nur ganz entfernt an Algen und Meer. Hauptsächlich riecht Grauer Amber nach Dihydrojonon Gamma. Aber eigentlich ist er entsetzlich teuer und zudem nicht weiter wichtig. Früher hat man sich Tinkturen/ alc. Auszüge angefertigt, die man anschließend in einer Parfummischung einsetzte. Man braucht nämlich, damit der Stoff geruchlich in einem Parfum richtig trägt und zur Geltung kommt, eine ordentliche Portion davon außerdem gibt es jede Menge Ersatzstoffe - z.B. AMBROXAN. Jener Stoff, der geruchlich nur einen ganz kleinen Teil des natürlichen Grauen Ambers (Amber grisea) ausmacht, ist für die moderne Parfumerie viel wichtiger als der seltene, natürliche Rohstoff aus dem Wal.

Wichtig zu wissen ist! In einem Amber-/ Ambre-Parfum muß nicht zwingend Ambre Gris enthalten sein. Für eine Ambernote braucht man eigentlich all die Dinge, die uns aus dem Orient bekannt sind. Die Süße von Vanille und Coumarin, den Honiggeruch des Labdanum, Zitrusfrische durch Bergamotte, tropische Blüten und andere Pflanzen, edle Hölzer und Wurzelaromen (Vetyver), Moschus ist nötig und einige Baumharze (Tolu, Peru, Benzoe) und natürlich Rosenduft und Patchouli. Aus diesen natürlichen Stoffen könnte man eine Ambernote mischen - vielleicht auch einige Gewürze noch dazu -, wenn man sich den Orient vorzustellen vermag.

Ambroxan ((CAS. 6790-58-5))
wurde, wenn ich es richtig weiß, von Firmenich entwickelt. Doch da es bei Henkel einen Stoff mit dem Namen Ambrox und bei Haarmann & Reimer (jetzt Symrise) ein Ambroxid gibt, gehe ich davon aus, daß der Stoff, dessen chemische Bezeichnung 3a,6,6,9a,Tetramethyldodecahydronaphto(2,1-b)furan heißt, von mehreren Herstellern produziert und verwendet wird. Ich habe auch die bezeichnung Ambermor gefunden.

ambroxan

Markenname: Ambroxan
Chemische Bezeichnung: a,6,6,9a,Tetramethyldodecahydronaphto(2,1-b)furan
Summenformel: C16H28O
CAS-Nr.: CAS. 6790-58-5
Synonyme: Ambrox, Ambroxid, Ambermor,
Aussehen/ Duftprofil: kristalliner Stoff (weißlich), der eher schwach riecht - leicht, sauber, hat Süße, erinnert an Musk, etwas animalisch, typisch Amber gris.
Löslichkeit: in DPG/ leicht erwärmen.
Haftung: gut/ basenote

Links:
cropwatch-amber
Conrad Gesner (Das Fischbuch/ die Abbildungen)
AMBERGRIS WHOLESALE - not available at the moment


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